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Die menschliche Wirbelsäule ein Meisterstück der Evolution
– optimiert für den aufrechten Gang 

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Forscher der Universität München widersprechen der Legende von der Fehlkonstruktion der menschlichen Wirbelsäule.

Etliche Bettenverkäufer, Ärzte und Beratungsinstitutionen versuchen das Problem der verbreiteten Kreuzschmerzen mit dem Hinweis zu erklären, dass die menschliche Wirbelsäule eigentlich nicht für den aufrechten Gang geschaffen sei und daher einem besonders starken Verschleiß ausgesetzt ist (Beispiele dazu siehe unten im Anhang).

Professor Reinhard Putz vom Anatomischen Institut der Universität München widerspricht solchen Annahmen und stützt sich dabei auf die Ergebnisse seiner „Forschungsgruppe Muskuloskelettales System“. Er hält die Wirbelsäule keinesfalls für ungeeignet, sondern sieht sie als ein höchst angepasstes Gebilde für den aufrechten Gang, eine meisterhafte Entwicklung der Evolution zwischen den Anforderungen an höchstmöglicher Stabilität einerseits und maximaler Mobilität andererseits.

Die Behauptung, dass die Wirbelsäule nicht für den aufrechten Gang geschaffen sei, geht von der Annahme aus, dass beim Menschen durch das Gewicht der oberen Körperteile ein zu hoher Druck auf der Wirbelsäule lastet, vor allem im Lendenbereich, während bei den Vierbeinern durch die horizontale Ausrichtung kaum Druck auf die Längsachse der Wirbelsäule ausgeübt wird und diese allenfalls durch seitliche Bewegungen belastet wird. Das ist aber ein Fehlschluss, denn auch bei den Vierbeinern wird über das Bändersystem ein starker Druck entlang der Achse der Wirbelsäule aufgebaut, denn andernfalls würden Vorder- und Hinterteil der Tiere einfach zusammenklappen.

Nach den Forschungen von Prof. Putz hat sich die Beanspruchung der Wirbelsäule zwischen den Vierbeinern und den aufrecht gehenden Menschen nicht grundsätzlich verändert. Im Gegenteil, die Muskelarbeit wird sogar leichter, da sich mit der Wirbelsäule auch das Becken aufgerichtet (gedreht) hat. Durch die Drehung des Beckens erhält die aufgerichtete Wirbelsäule eine stabile Basis, die dem Menschen die ihm eigentümliche hohe Beweglichkeit der oberen Köperteile (Arme, Schultern und Rumpf) ermöglicht.

Reinhard Putz kennzeichnet in seiner morphologischen Analyse die besonderen Fähigkeiten des menschlichen „Bewegungsapparates“ als optimalen „evolutionären Kompromiss“ zwischen Mobilität und Stabilität.

So sind auch die Bänder längs der Wirbelsäule keinesfalls als passives Zugsystem zu verstehen, das die Wirbel einfach nur zusammenhält, sondern als eine „Art Getriebe, welches die Verschiebung der jeweils benachbarten Wirbel exakt koordiniert“. Entscheidend ist dabei, dass das Erreichen der Endstellung einer Bewegung  abgestimmt verzögert und gedämpft wird. Diese Funktion bewirkt, dass trotz hoher Beweglichkeit kaum Gewebeschädigungen auftreten. Voraussetzung dafür ist, dass „die Bänder insgesamt unter einer ausreichenden Vorspannung stehen. Diese Vorspannung zu gewährleisten ist wiederum eine wichtige Funktion der Bandscheiben“.

Auch bei den Bandscheiben widersprechen die Ergebnisse der Forschungsgruppe der üblichen Auffassung, sie auf einfache Pufferfunktionen zu reduzieren. Die Bandscheiben halten die Vorspannung der Bänder aufrecht, sie gewährleisten eine gleichmäßige Druckverteilung zwischen den aneinander angrenzenden Wirbelkörpern. Darüber hinaus sind sie auch in die „Steuerung der Beweglichkeit integriert.“ Aber sie „sind in keiner Weise in der Lage in größerem Ausmaß axiale Stöße abzufedern oder gar zu dämpfen“ wie gemeinhin angenommen wird. Dies geschieht vielmehr durch das flexible Nachgeben (Verflachen) der s-förmigen Ausrichtung der Wirbelsäule, also ebenfalls über das Bändersystem.

Interessant ist die Interpretation der Tatsache, dass der äußere Ring der Bandscheiben (Anulus fibrosus) in der knöchernen Randleiste nicht gleichmäßig ausgestaltet ist, sondern zur Rückenseite schmäler und dünner ist: „Offenbar wird im Einklang mit der ständigen (hauptsächlichen) Scherbeanspruchung im Rahmen der Rotation der Lendenwirbelsäule der vordere Teil des Anulus verdickt, während sich der hintere ebenso entsprechend auf einem geringeren Ausprägungsniveau hält. Dies sollte aber nicht als Degeneration missverstanden werden.“ „So spielt der Anulus fibrosus in der Lendenwirbelsäule eine wichtige Rolle bei der Begrenzung der Rotation als Partner der Wirbelsäule“.

Zusammenfassend stellt Prof. Putz in seiner Analyse fest, dass die Struktur der Bewegungssegmente im Lendenbereich wie ein hochdifferenziertes Getriebesystem organisiert ist und einen außerordentlich hohen Anpassungsgrad an die Bedürfnisse des aufrecht gehenden Menschen aufweist.

Auf die Frage, warum denn trotz dieser hohen Anpassung der Wirbelsäule so viele Rückenbeschwerden auftreten, verweist Reinhard Putz auf die neuzeitlich verbreiteten ausschließlich sitzenden Tätigkeiten der Menschen sowie auf die übertriebenen sportlichen Beanspruchungen, denen „kein noch so erstklassiges biomechanisches Fabrikat der Evolution“ gewachsen sein kann. 

Quellen:
Bericht der FAZ vom 05.04.2006 über die Tagung „Der Knochen als Archiv“
Vortrag von Prof. Dr. Reinhar Putz auf der 3. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biomechanik 2003.

Kommentar des Verfassers:
Die Einsicht, dass die menschliche Wirbelsäule für den aufrechten Gang optimal entwickelt ist, mag für viele Mediziner vielleicht neu sein, außerhalb der klassischen Medizin wird diese Position aber schon lange vertreten, wenn auch in anders thematisiert und praktiziert, wie z. B. bei Ida Rolf (Rolfing) und in den Veröffentlichungen von Moshé Feldenkrais.


Anhang:

Zitat 1:
„Quelle der Schmerzen: der aufrechte Gang.
Die Evolution, genauer gesagt, unser aufrechter Gang ist Schuld an all den Schmerzen im Rücken. Millionen von Jahren hat es gedauert, bis sich der Mensch vom Vierbeiner zum Zweibeiner entwickelt hat - zum "Homo erectus". Bei dieser Entwicklung haben Wirbelsäule und Rückenmuskulatur Funktionen übernommen, für die sie nicht gebaut sind.“
Quelle: Bayrischer Rundfunk online: www.br-online.de/umwelt-gesundheit/thema/ruecken/schwachstelle-kreuz.xml

Zitat 2
"Aufrechter Gang ist eigentlich nichts für Menschen
Das Übel „Rückenschmerzen” hat oft uralte Wurzeln: Der Mensch ist nicht für den aufrechten Gang geschaffen. Das zeigen die häufigen Rückenprobleme der Zweibeiner und außerdem die Körperhaltung mancher Mitarbeiter in mittleren Hierarchiestufen. Das Rückgrat ist eigentlich für Vierbeiner optimiert".

Quelle: Ratgeberverlag http://www.aerztelatein.de


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