Bei baubiologischen Hausuntersuchungen macht man ständig neue Erfahrungen,
täglich begegnet man anderen Wohn- und Schlafraumsituationen. Maßstab
bei allen Messungen und Beratungen ist der Mensch mit seiner individuellen Fragestellung,
die meist Folge von Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten oder dem Wunsch
nach gesundheitlicher Vorsorge ist. Der Standard der baubiologischen Messtechnik
ist der ganzheitliche Rahmen: Elektromagnetische Felder, Schadstoffe, Schimmelpilze,
ein gesundes Raumklima - diese und andere Faktoren werden gleichrangig beachtet.
Hier einige Fallbeispiele aus der alltäglichen Praxis, die vor allem die
momentan besonders aktuellen elektromagnetischen Belastungen speziell durch Mobilfunk
und DECT-Schnurlostelefone sowie Probleme mit Schimmelpilzen aufzeigen.
Topthema Mobilfunk ...
Täglich fragen besorgte Bürger so oder ähnlich
an: "Neben meiner Wohnung stand eines Morgens ein Mobilfunkmast. Ich habe
seitdem Schmerzen, schlafe schlecht, habe Herz-Kreislauf-Probleme, Ohrgeräusche...
Was soll ich tun?"
So erlebt z.B. in Gereonsweiler, einer Kleinstadt im Rheinland.
Zu Beginn des Jahres wurde dort eine Mobilfunk-Basisstation auf einem Seniorenstift
in Betrieb genommen. In den umliegenden Häusern traten bei einer Reihe von
Bewohnern gleichzeitig sehr ähnliche gesundheitliche Probleme auf: Schlafstörungen,
Kopfschmerzen, Klopfgefühle in Hals und Kopf, erhöhter Blutdruck. So
misst z.B. ein Anwohner in den letzten fünf Jahren seit einer Herzschrittmacher-Implantation
täglich mehrmals seinen Blutdruck und führt darüber Protokoll.
Seit der Senderinstallation sind die Werte plötzlich konstant um 15-20 Punkte
höher, einhergehend mit Schlafstörungen und Abgeschlagenheit. Eine
andere Anwohnerin ist seit der Senderinstallation gezwungen, mit Medikamenten
ihren plötzlich erhöhten Blutdruck zu senken. Die Ärzte der Anwohner
finden keine Ursachen für die Beschwerden ihrer Patienten.
Ähnlich das Bild in Jüchen: Seit Installation einer
Senderanlage vor etwa einem Jahr auf dem örtlichen Gemeindehaus 70 m entfernt
sind bei einem Ehepaar starke Schlafstörungen, Nachtschweiß sowie
allgemeines Unwohlsein aufgetreten. Bei dem Mann verschlimmerten sich seine Allergien,
für seine Neurodermitis wurde die Behandlung mit Cortison notwendig. Das
Ehebett wurde in ein weiter vom Sender weg entferntes Zimmer verlegt, was die
Symptome aber nicht verbesserte. In einem anderen kleinen Zimmer war dagegen
ruhiges Schlafen möglich, ebenso im Urlaub. Messungen bestätigten,
dass es in den beiden Zimmern, wo Schlafstörungen auftreten, fast identische,
auffällige Sendereinwirkungen gibt. In dem Raum dagegen, wo besser geschlafen
wurde, sind die Strahlungsstärken über 90 % geringer.
Sowohl in Gereonsweiler als auch in Jüchen lagen die
Mobilfunk-Strahlungsstärken in den Schlafbereichen zwischen 100 und 200 µW/m2.
Sie sind nach baubiologischen Kriterien extrem, erreichen aber nicht den von
Wissenschaftlern aus der ganzen Welt auf der Salzburger Konferenz im Juni 2000
beschlossenen und von der Bundesärztekammer kurz danach übernommenen
Richtwert von 1000 µW/m2.
Der Rückschluss aus diesen praktischen Erfahrungen für
Baubiologen: Der Salzburger Wert ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung,
aber immer noch zu hoch. Nur mit unseren baubiologischen Richtwerten von maximal
5 µW/m2, besser nur 0,1 µW/m2, können wir eine effektive Vorsorge
gewährleisten, speziell wenn es um Dauerbelastungen in Schlafbereichen geht.
Bei den diskutierten 1000 µW/m2 treten im Laborversuch
bereits nach Kurzzeitdisposition bei gesunden Erwachsenen biologische Effekte
wie im EEG feststellbare Hirnstromveränderungen auf. Was passiert dann erst
alles bei Dauerbelastungen rund um die Uhr? Wie reagieren Kranke, Schwangere,
Kinder, Alte?
... und Schnurlostelefone
Ein weiterer, dramatischerer Fall: Ein Ehepaar mittleren Alters
zog vor drei Jahren in ein neues Haus. Mit diesem Umzug kamen gesundheitliche
Probleme: Schlafstörungen, Unwohlsein, beim Mann das ganze Jahr über
heuschnupfenartige allergische Reaktionen. Ein Jahr nach dem Einzug bekam die
Frau an der linken Körperseite Parkinson-Symptome, die sich mehr und mehr
verschlimmerten. Im Urlaub ging es beiden immer besser.
Ein DECT-Schnurlostelefon wurde ein Jahr nach Ausbruch der
Krankheit entfernt. Die Frau hatte von Wissenschaftlern aus Schweden erfahren,
dass gepulste Mikrowellen, wie sie unter anderem bei DECT-Telefonen auftreten,
durchaus mit dem Parkinson-Syndrom in Zusammenhang stehen können. Die Frau
war besorgt: Das Telefon stand im Wohnzimmer 30 cm entfernt links von dem Platz,
an dem sie sehr oft gesessen hatte.
Die Krankheitssymptome wurden auch nach Entfernung des DECT-Telefons
nicht besser. Es folgte eine umfassende baubiologische Hausuntersuchung.
Ergebnis: Trotz der Entfernung des Telefons gab es immer noch
extreme gepulste elektromagnetische Wellen. Ursache dafür: Keine 50 Meter
entfernt auf einem höheren Haus waren Mobilfunksender installiert, die das
Ehepaar noch nie bemerkt hatte.
Auch bei diesem Fall lagen die Strahlungsstärken "nur" bei
etwas über 100 µW/m2. Allerdings: Einige Monate vor den Messungen
wurde ein neues Haus genau zwischen das Haus des Ehepaares und die Mobilfunksender
gebaut. Dadurch wurden die Strahlungsstärken drastisch verringert. Für
das Ehepaar stellt sich nun natürlich die entscheidende Frage: Was tun?
Kämpfen, so weit wie möglich abschirmen oder lieber konsequenterweise
das Haus verkaufen und ausziehen?
Kind mit EEG-Veränderungen
Eine Schlafplatzuntersuchung bei einem achtjährigen Jungen
ergab extreme elektrische Wechselfelder durch die eigene Elektroinstallation
und zwei DECT-Schnurlostelefone in den Nachbarhäusern. Das Kind wird wegen
seiner Krampfanfälle und auffälligen EEG-Signale seit Jahren mit Epilepsie-Medikamenten
behandelt.
Die Eltern wollten versuchen (gegen Anraten der Ärzte),
die Medikamente wegen ihrer Nebenwirkungen abzusetzen. Als Voraussetzung dafür
wollten sie alle Risikofaktoren im Schlafumfeld des Kleinen beseitigt wissen.
Umfassende baubiologische Messungen wurden durchgeführt, die Empfehlungen
konsequent umgesetzt: Die Wände um das Kinderbett herum wurden abgeschirmt
und geerdet; auch die Nachbarn entfernten ihre DECT-Telefone.
Es gab schnelle Effekte: Die Schlafprobleme des Kindes verschwanden,
und selbst der ursprünglich (wie so oft) skeptische Ehemann schlief besser.
Erneute EEG-Untersuchungen bei dem Jungen einige Monate nach Durchführung
der baubiologischen Sanierungen zeigten nicht mehr die früheren Auffälligkeiten.
Die Epilepsie-Medikamente konnten bislang mehr und mehr reduziert werden, ohne
dass wieder gesundheitliche Probleme aufgetreten sind.
Das feuchte Ferienhaus
Eine 42jährige Frau hatte sich vor acht Jahren liebevoll
und mit beträchtlichem Aufwand ein altes Bauernhaus in den belgischen Ardennen
restauriert, als Wochenend- und Ferienquartier für sich und ihre Pferde.
Immer, wenn sie sich hier einige Wochen lang bei feuchten Witterungsverhältnissen
aufhielt, kamen gesundheitliche Probleme: Beklemmungen, Übelkeit, Kopfschmerzen,
Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen. Die Erholung, die eigentlich
in dem Urlaubsdomizil erreicht werden sollte, war unmöglich, die Freude
am traumhaften alten Bruchsteinhäuschen in wunderschöner Lage dahin.
Die Frau überlegte schon, das Objekt zu verkaufen.
Da war noch ihr Verdacht: Eine elektrische Freileitung, die
in der Nähe des Schlafzimmers ins Haus führte. Bei telefonischen Vorgesprächen
wurde vereinbart, sich nicht nur auf den befürchteten Elektrosmog zu konzentrieren,
sondern in Anbetracht der Probleme nur bei feuchtem Wetter vor allem auch an
Pilze zu denken und entsprechende Messungen durchzuführen.
Die elektrobiologischen Messungen vor Ort ergaben: Extreme
elektrische Wechselfelder durch Elektroleitungen, Kabel und Lampen in der Nähe
des Bettes sowie starke elektromagnetische Wellen durch ein DECT-Telefon im Flurbereich
nebenan. Die Freileitung dagegen hatte am Schlafplatz unauffällige Werte.
Ergebnis umfassender mikrobiologischer Probenahmen an 20 Stellen
im Haus: In der Luft fast aller Räume gab es weniger Schimmelpilzsporen
als in der Außenluft, ein baubiologisch einwandfreies Ergebnis. Im Bereich
einer Treppe jedoch, die inmitten des sehr offen gestalteten Erdgeschosses in
einen Keller führte, gab es extreme Werte: mehr als zehnfach höher
als draußen, über 5000 Pilzsporen pro m2 Raumluft. Alle Oberflächen
aus dem Keller- und Kellertreppenbereich waren übersät mit Pilzen,
es gab über 1000 pro dm2. Begleitende Feuchtemessungen bestätigten:
Wand- und Bodenbereiche an der Kellertreppe waren nicht nur feucht, sondern nass.
Wichtig bei den mikrobiologischen Ergebnissen: Die Messungen
wurden bei sonnigem und trockenem Wetter durchgeführt. Bei feuchter Witterung
muss mit noch stärkerem Pilzwachstum gerechnet werden.
Auch hier wurden die Sanierungsempfehlungen genau befolgt:
Einbau eines Netzfreischalters und eines geerdeten Abschirmvlieses sowie Entfernen
des DECT-Telefons beseitigten die elektromagnetischen Störungen. Die Kellertreppe
wurde zugemauert und ein neuer Zugang von außen angelegt. So waren die
nassen und verpilzten Bauteile von den Wohnräumen getrennt.
Ergebnis: Im vergangenen Jahr sind bei mehreren Aufenthalten
im Ferienhäuschen (darunter mehrwöchige in der Winterzeit bei feuchtem
Wetter) keine Beschwerden mehr aufgetreten. Entscheidend für den Erfolg
dürfte die Abdichtung der pilzbelasteten Kellertreppe zu den Wohnräumen
sein; sicherlich hat die elektrobiologische Schlafplatzsanierung dazu für
eine stressfreiere Schlafphase gesorgt.
Pilzrasen
Manchmal gibt es in der Baubiologie auch Notfälle, bei
denen akute Gesundheitsgefahr vorliegt und mit konsequenten Maßnahmen nicht
gezögert werden darf. So z.B. bei dem Fall eines fünfjährigen
Jungen, bei dem ein Arzt schwere allergisch-asthmatische Beschwerden diagnostizierte.
Der Junge war im Vergleich zu früher lustloser, immer müde, hatte tiefe
Augenränder. Die Mutter: "Er ist ein ganz anderes Kind als früher."
In der Wohnung ein schwerer Wasserschaden durch Undichtigkeiten
am Balkon: Der komplette Boden und verschiedene Wandbereiche waren nass, hinter
den Fußleisten war es schwarz vor Schimmel, und in der Küche ein dramatisches
Bild: Quadratmeterweise Schimmelpilzrosetten an einer Wand, rote, grüne,
graue, schwarze, so wie man sie schöner auf Nährböden nicht finden
kann. Messungen erübrigten sich eigentlich, aber für Gesundheitsamt
und Vermieter musste ein Gutachten her: Natürlich gab es extreme Pilzzahlen
in der Luft, weit über 10.000 Pilze pro m2. Dazu Bakterien in ähnlichen
Mengen. Ein mikrobielles Klima wie in einer Kompostierungsanlage! Die Familie
zog in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt sofort in eine andere Wohnung um. Schnell
ging es mit dem Jungen bergauf. Er wurde wieder fit, die Asthmaanfälle viel
weniger und er hatte kaum noch Schmerzen.
Dr. Manfred Mierau
Diplom-Biologe, Baubiologe IBN
Baubiologie Maes, Neuss
IBN Institut für Baubiologie + Oekologie
Neubeuern
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