Eine Studie an chinesischen Fabrikarbeitern hat gezeigt, dass eine Aussetzung
an die Chemikalie Benzol diverse Typen von Blutzellen zerstört. Diese Auswirkungen
wurden unter der in den USA maximal erlaubten Konzentration beobachtet. Die Studie
wurde von Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien unter der Leitung
von Martin Smith in Kooperation mit dem Chinesischen Zentrum für Krankheitskontrolle
und -prävention durchgeführt. 16 Monate begleiteten sie 250 Arbeiter
in einer Schuhfabrik in der Nähe von Tianjin, die verschiedenen Graden von
Benzolkonzentration ausgesetzt waren. Die Forscher verglichen die Zahlen ihrer
Blutzellen mit denen von Arbeitern aus einer nahe gelegenen Kleiderfabrik, die
keinem Benzol ausgesetzt waren.
Benzol, das als industrielles Lösungsmittel verwendet
wird und auch in Zigarettenrauch und Auspuff-Abgasen auftritt, wurde lange Zeit
mit der Blutkrankheit Leukämie in Verbindung gebracht. Die aktuelle Studie
zeigt, dass bereits niedrige Konzentrationen der Chemikalie das Blutsystem schädigen.
Arbeiter, die Benzol ausgesetzt waren, wiesen eine Reduktion der weißen
Blutkörperchen und der Blutplättchen auf. Arbeiter, die den höchsten
Niveaus von Benzol ausgesetzt waren, über 10 parts per million (ppm), hatten
um 24 Prozent weniger weiße Blutkörperchen als ihre Gegenstücke
in der Kleiderfabrik. Sogar jene, die weniger als einem ppm ausgesetzt waren,
hatten eine Verminderung der weißen Blutkörperchen um 15 Prozent.
Bei vielen Typen weißer Blutzellen waren die Zellenzahlen reduziert, einschließlich
der Granulozyten, der Lymphzellen und der B-Zellen. Deshalb vermuten die Forscher,
dass Benzol bereits die Vorläuferzellen schädigt.
Weiters identifizierten die Forscher zwei genetische Varianten,
die die Schädigung durch das Benzol beschleunigen könnten. Jene mit
bestimmten Versionen zweier Stoffwechselenzyme, die das Benzol in noch schädlichere
Komponenten umwandeln, weisen niedrigere Zellenzahlen auf. Menschen mit aktivierten
Versionen dieser Enzyme sind eher dafür anfällig, Schäden davon
zu tragen, so Nathaniel Rothman vom US National Cancer Institute. "Mehr
als 50 Prozent der Allgemeinbevölkerung haben eine Variante mit hoher Aktivität",
so der Experte. Rothman forderte andere Wissenschaftler auf, die Ergebnisse seines
Teams zu replizieren, um die Gesundheitsgefahren zu bestätigen. Das könnte
ein Überdenken der rechtlichen Bestimmungen zur Obergrenze der Belastung
notwendig machen.
Quelle: pressetext.austria vom 03.12.2004
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