Handys brauchen Mobilfunksendeanlagen, sogenannte Basisstationen. Sie machen
das drahtlose Telefonieren erst möglich. Sie nehmen die Funksignale der
Handys auf, verarbeiten sie und leiten sie weiter in Zentralrechner und die verschiedenen
Telefonnetze. Sie strahlen rund um die Uhr, halten ständigen Kontakt zu
den vielen Millionen mobiler Telefone, überwachen sie, suchen sie, finden
sie, versorgen sie, regeln sie, organisieren. Ein mannigfaltiges Wechselspiel
von elektromagnetischer Energie und Information.
Es gibt mehrere Zehntausend solcher Basisstationen allein
bei uns in Deutschland: auf Türmen, Masten, Dächern, Silos, Kaminen...,
sogar Kirchen, nahezu flächendeckend, fast überall, in Stadt und Land,
in den Bergen, im Tal, auf Inseln, in Ballungszentren, in Erholungsgebieten.
Die ersten wurden 1992 installiert, danach wuchsen sie wie Spargel aus dem Boden.
Jede Station besteht aus mehreren Einzelantennen mit wiederum mehreren Sendekanälen.
Jeder Sendekanal emittiert elektromagnetische Strahlung sehr hoher Frequenzen,
sogenannte Mikrowellen. Die Reichweite beträgt bis zu mehreren Kilometern.
Zur Zeit gibt es vier Betreiber für je zwei D- und E-Netze,
DeTeMobil/Telekom und Vodafone/Mannesmann für D1 und D2, E-Plus und Viag-Interkom
für E1 und E2. Weitere Betreiber stehen schon in den Startlöchern,
z.B. für UMTS, einem neuen Mobilfunkstandard. Hierfür werden noch einmal
mehr als doppelt so viele Basisstationen errichtet, der Aufbau ist im Gange. Überall
soll es möglich sein per Handy zu kommunizieren, per Knopfdruck Kontostände
abzufragen, Reisen zu buchen, im Internet zu surfen, Daten über den Äther
zu verschicken, sogar ganze Bücher, Videos, Musik.
Neu an der digitalen Mobilfunktechnik a la D- und E-Netz ist,
dass diese Mikrowellen nicht kontinuierlich ins Land abgestrahlt werden wie man
es vom Rundfunk oder anderen traditionellen Sendern her kennt, sondern getaktet,
zerhackt, in rhythmischen Einzelpaketen. Wir haben es hier neben der noch nie
dagewesenen Senderdichte und Strahlungsintensität mit einer speziellen Strahlungsart
zu tun, nämlich einer gepulsten. Im Vergleich mit Licht wäre die Glühbirne
eine kontinuierliche, ungepulste Strahlungsquelle und der Stroboskopblitz in
der Diskothek eine gepulste. Gepulste Mikrowellen werden beim Handytelefonieren
erstmals für alltägliche Zwecke eingesetzt, bisher kannte man sie nur
von medizinischen Anwendungen, vom Radar oder auch vom Mikrowellenherd.
Dem großen Bruder Mobilfunk machen es seit wenigen Jahren
Millionen digitale schnurlose Telefone für den Hausgebrauch nach: DECT heißt
der Standard, nach dem sie funktionieren. Auch DECT-Schnurlose funken mit gepulsten
Wellen, bis zu 300 Meter weit, vom Wohnraum zum Garten, vom Speicher zum Keller,
und das nicht nur während eines Gesprächs, nein, deren unscheinbare
kleine Basisstationen strahlen nonstop, immer, Tag und Nacht, egal ob man telefoniert
oder nicht. Weitere gepulste Funkanwendungen ziehen in den nächsten Jahren
in unsere Häuser ein: Bluetooth, Last Mile, W-LAN, Tetra...
Nicht nur technische Antennen empfangen diese elektromagnetischen
Wellen, gehen in Resonanz mit ihnen, sondern auch Menschen, Tiere, Bäume,
die ganze Natur. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse bestätigen von Jahr
zu Jahr zunehmend: Gepulste Mikrowellen sind biologisch kritisch, offensichtlich
kritischer als ungepulste. Der Medizin-Physiker Dr. Lebrecht von Klitzing von
der Universität Lübeck fand bei Hirnstrommessungen auffällige
Spitzen im menschlichen EEG, aber nur unter Einfluss gepulster Wellen, bei ungepulsten
nicht. Andere Wissenschaftler bestätigen den Effekt, so der Neurologe und
Elektrosmog-Experte der Loma-Linda-Universität in Kalifornien, Prof. Dr.
Ross Adey: "Wir wissen gut, dass gepulste Signale auf den Menschen stärker
einwirken als ungepulste. Gepulste Mikrowellen greifen tief in biologische Prozesse
ein." Dabei geht es um Stärken, wie man sie im Alltag in der Umgebung
von Mobilfunksendern oder beim Handytelefonieren findet. Das Institut für
Toxikologie der Uni Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Borbely: "Veränderungen
im EEG traten nach 15 Minuten Einschaltzeit auf. Im Schlaf-EEG gab es Verkürzungen
der REM-Phase." Keinen Zweifel lässt auch die Berliner Bundesanstalt
für Arbeitsmedizin: "Gepulste Mikrowellen der Intensität eines
Mobilfunktelefonates beeinflussen die Gehirnaktivität." Wissenschaftler
sprechen von Hormon-, Stoffwechsel-, Herz- und Kreislaufproblemen, Öffnung
der Blut-Hirn-Schranke, Krebs und Alzheimer, um nur Beispiele zu nennen. Dr.
Dan Lyle von Loma-Linda: "Gepulste Mikrowellen schädigen das Immunsystem
und stören Neurotransmitterabläufe."
Die erwähnten biologischen Spontaneffekte wurden von
den Wissenschaftlern bei Strahlungsstärken im Bereich einiger 100 bis weniger
1000 µW/m2 (Mikrowatt pro Quadratmeter) gefunden, die ungewöhnlichen
EEG-Peaks im Lübecker Unilabor bei 1000 µW/m2. Das sind Intensitäten,
wie wir sie einige 10 bis wenige 100 Meter um Mobilfunk-Basisstationen herum
und bis zu mehreren Metern an den DECT-Schnurlosen messen.
Der Gesetzgeber bietet keinen ausreichenden vorsorglichen
Gesundheitsschutz. Es gibt zwar seit 1997 rechtlich verbindliche Grenzwerte der
26. BImSchV, der BundesImmissionsschutz-Verordnung. Die Berechnungsgrundlage
der Verordnungswerte ist jedoch die voreilige, veraltete und unseres Erachtens
naive Annahme, dass nur der thermische Effekt biologisch relevant ist, das heißt,
dass nur eine Erwärmung des Körpers oder von Körperteilen als
Folge der elektromagnetischen Feldeinwirkung gefährlich werden könnte.
Solche Effekte sind wissenschaftlich akzeptiert, hierzu gibt es tausende Studien,
und es gab Verletzte und Tote durch Verbrennung bei Arbeitern an Radaranlagen.
Zur Vermeidung übermäßiger Erhitzung hat man Grenzwerte, für
das D-Netz 4.500.000 µW/m2 und für das E-Netz 9.000.000 µW/m2.
Diese absurden Werte findet man im Alltag nirgendwo, nicht einmal recht nah an
großen Mobilfunkeinrichtungen. Thermik ist beim Mobilfunk nicht das Problem.
Somit hat die Industrie rechtlich abgesichert freie Bahn.
Anwohner in der näheren Umgebung solcher Mobilfunkstationen
sorgen sich nicht um körperliche Erwärmung (denn dann müssten
Sonnenbaden, Wärmeflaschen und Saunagänge noch gefährlicher und
verboten sein), sie stellen vielmehr die berechtigte Frage nach den vielen möglichen
gesundheitlichen Risiken von Allergie über Krebs bis Schlaflosigkeit oder
Kopfschmerz. Derart biologisch entscheidende jedoch stets nichtthermische Symptome
wurden bei der allzu theoretischen Berechnung der Grenzwerte überhaupt nicht
berücksichtigt. Außerdem geht es bei der sogenannten Elektrosmogverordnung
um akute Gefahren, nicht um Langzeitschäden. Von Lebensqualität, Wohlbefinden
oder Vitalität ganz zu schweigen. Es gibt zwar immer mehr ernst zu nehmende
wissenschaftliche Hinweise auf gesundheitlich besorgniserregende nichtthermische
Probleme als Folge dieser jungen gepulsten Mikrowellentechnik, sie gelten aber
noch nicht als ausreichende und von allen speziell Industrie und Gesetzgeber
akzeptierte Beweise.
Prof. Dr. Jürgen Bernhardt, ehemaliger Leiter der Abteilung
Strahlenhygiene am Bundesamt für Strahlenschutz, bestätigte vor vier
Jahren im Fernsehen: "Die Forschungen berücksichtigen nur die Wärmewirkung
durch elektromagnetische Strahlung." Auf die Bemerkung des Redakteurs, das
höre sich ja an wie ein groß angelegter Menschenversuch und es würde
zu industrienah geforscht, sagte er: "Das beklage ich auch. Es müsste
ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium geben, welches die Forschungsgelder
verplant." Die Industrie kann die Forschung also behindern? "Ja, das
ist richtig." Zur Verordnung sagte Prof. Bernhardt vor drei Jahren, inzwischen
zum Vorsitzenden der Internationalen Strahlenschutz-Kommission ICNIRP aufgestiegen,
die weltweit Grenzwerte erarbeitet und anbietet: "Zweifelsfrei verstanden
haben wir bei den Funkwellen nur die thermische Wirkung, und nur auf dieser Basis
können wir derzeit Grenzwerte festlegen. Es gibt darüber hinaus Hinweise
auf krebsfördernde Wirkungen und Störungen an der Zellmembran." Auf
die Frage, warum Grenzwerte ohne ausreichendes Wissen um die biologische Gefährlichkeit
festgelegt werden und warum man diese nicht beim geringsten Anzeichen einer Gefahr
senkt, meinte er: "Wenn man die Grenzwerte reduziert, macht man die Wirtschaft
kaputt, dann wird der Standort Deutschland gefährdet."
Simone Probst, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit weist im Juni 2001 nochmals
darauf hin: "Der Grundgedanke guter Umweltpolitik, nämlich jener der
Vorsorge, ist nicht implementiert." Das NRW-Umweltministerium auf die Anfrage
eines Düsseldorfer Bürgers zur Elektrosmogverordnung: "Neben den
abgesicherten thermischen Wirkungen, welche Grundlage der Grenzwerte sind, gibt
es eine große Zahl von Hinweisen auf Langzeitwirkungen, z.B. Kinderleukämie,
Hirntumore und Brustkrebs, weit unterhalb dieser Werte."
Die Weltgesundheitsorganisation äußerte sich ebenfalls
unmissverständlich: "Keine Normungsbehörde hat Grenzwerte mit
dem Ziel erlassen, vor langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen wie einem
möglichen Krebsrisiko zu schützen." Der Umweltausschuss des EU-Parlaments
gibt zum Thema Mobilfunk Ende 2000 zu bedenken: "Angesichts einer Vielzahl
vorliegender wissenschaftlicher Befunde kann man weder das Krebsrisiko noch verschiedene
andere biologische Effekte einfach abtun." Von Jahr zu Jahr wird die Kritik
an den Grenzwerten überall lauter. Prof. Dr. Heyo Eckel, Leiter des Umweltausschusses
der Bundesärztekammer im August 2000: "Es gibt gewichtige Hinweise
für Schäden durch Mobilfunkstrahlung. Ich halte es für sorglos,
wenn man an den bestehenden Grenzwerten festhält. Die zuständigen Behörden
werden von uns dringend aufgefordert, sich mit den wissenschaftlichen Ergebnissen,
und es handelt sich um zahlreiche seriöse Forschungen, das sei deutlich
betont, auseinanderzusetzen."
Prof. Dr.-Ing. Günter Käs, Mikrowellenexperte der
Bundeswehr-Universität: "Grenzwerte in Deutschland sind reichlich hoch.
In Russland werden in der Medizin gepulste Mikrowellen zu Therapiezwecken eingesetzt,
die nachweislich wirken; diese liegen beim 10.000stel der deutschen Grenzwerte.
Die Strahlung der Mobilfunknetze liegt zwar unter den Grenzwerten, aber diese
orientieren sich nicht an der Gesundheit." Prof. Dr.-Ing. Alexander H. Volger,
Honorarprofessor der RWTH Aachen im April 2001: "Verordnung und Standortbescheinigung
bieten keinen Schutz. Die Behauptung einer Schutzwirkung durch die Behörden
ist als wissenschaftliche Falschinformation anzusehen. Dies entspricht rechtlich
allen Merkmalen des Betrugs und schließt grob fahrlässige bis absichtliche
Gefährdung und Körperverletzung ein."
Schon im März 1994 veröffentlicht der Düsseldorfer
Landtag: "Die flächendeckende Mobilfunkeinführung ohne eine umfassende
Abschätzung der Risiken für den Menschen ist unverantwortlich." Diese
Risikoabschätzung steht bis heute noch aus. Wegen der inzwischen zahlreichen
und stetig zunehmenden Hinweise auf biologische Probleme fordert der Bund für
Umwelt und Naturschutz im August 2001: "Die Grenzwerte müssen um das
10.000fache gesenkt werden." Der BUND entspricht damit der Forderung vieler
Wissenschaftler, Mediziner und Institutionen, so auch einer Wissenschaftler-Gruppe
von 19 Elektrosmog-Experten aus 10 Ländern, die auf der 'Internationalen
Konferenz zur Situierung von Mobilfunksendern' in Salzburg im Juni 2000 eine
entsprechende Resolution unterschrieben. Die Bundesärztekammer stellt sich
hinter die Resolution.
Kritische Wissenschaftler, Umweltmediziner und kliniken, Umweltverbände
und labore, Baubiologen, Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen fordern
noch niedrigere Grenzwerte. Aus gutem Grund, gibt es doch inzwischen reichlich
Erfahrung mit gesundheitlichen Problemen durch Mobilfunk und erstaunlichen Erfolgen
nach seiner Reduzierung. So empfiehlt das Magazin ÖkoTest im April-Heft
2001 nach Absprache mit Dr. von Klitzing, Prof. Käs und uns von der Baubiologie
Maes den "realistischen Vorsorgewert" von 10 µW/m2 zu unterschreiten,
um biologische Risiken niedrig zu halten, speziell wenn es um dauerhafte Einwirkungen
geht. Für Sensible, Kinder und Kranke sowie für Schlaf und Regenerationsbereiche
sollten noch niedrigere Werte realisiert werden. Gerade in der Schlafphase soll
die Einwirkung sehr ernst genommen werden und die Exposition so niedrig wie eben
möglich sein. Angestrebt werden hier Werte von unter 1 µW/m2.
Wie wichtig ein Anstreben möglichst geringer Strahlenbelastung
durch den sich explosiv verbreitenden Mobilfunk in einer zivilisierten Welt voller
technischer und toxischer Risikofaktoren ist, das bringt die Aussage der Deutschen
Gesellschaft für Umwelt und Humantoxikologie DGUHT, ein Zusammenschluss
von Ärzten, auf den Punkt: "Jeder Vierte hat ein geschädigtes
Immun, Nerven oder Hormonsystem. Jeder Dritte ist Allergiker. Wir haben den Punkt
erreicht, der keine zusätzlichen Belastungen mehr verträgt." Vorsicht
steht im Vordergrund, solange man nicht mehr weiß als bisher. Was man weiß ist,
dass es mehr Forschungslücken als Forschungsergebnisse in Bezug auf gepulste
Mikrowellen gibt, dass ernst zu nehmende wissenschaftliche Hinweise auf biologische
Probleme sowie entsprechende Erfahrungen und Fallbeispiele, die nicht immer wieder
dem Placebo oder der Angst vor Strahlung zugeordnet werden können, massiv
zunehmen.
So äußerte sich auch Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller,
Krebsforscher der Uni Wien, im Sommer 2000 kritisch: "Für biologische
Beeinträchtigungen spielt die Zeitdauer eine große Rolle, in der man
den Mikrowellen ausgesetzt ist. Es ist noch völlig unbekannt, wie hoch der
Schwellenwert ist, das heißt, ab welchem Wert es gefährlich wird.
Fest steht, die Risiken werden unterschätzt. Es gibt etliche Studien, die
im Hinblick auf ein Krebsrisiko sehr beunruhigend sind." Das Ecolog-Institut
Hannover unter der Leitung von Dr. H.P. Neitzke führte die umfangreichste
Risikobewertung weltweiter Forschungsergebnisse im Auftrag der Telekom durch
und kommentierte im Mai 2001: "Beeinträchtigungen des Immunsystems
sind vielfach nachgewiesen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Mobilfunkfelder
krebsfördernde Wirkung haben, also dass Krebs sich in deren Einfluss schneller
entwickelt und fataler verläuft als üblich. Es wurde nachgewiesen,
dass vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden mit allen Konsequenzen,
die das haben kann. Es gibt Störungen vieler Zellfunktionen, was besonders
bedenklich stimmt. Die Auswirkung, die das alles auf den Organismus hat, können
wir noch gar nicht abschätzen."
Nachgewiesene biologische Effekte kennt man inzwischen reichlich,
nur was sie in Bezug auf konkrete gesundheitliche Schädigungen jetzt, bald
oder für kommende Generationen bedeuten, das weiß noch keiner.
Prof. Dr. Karl Hecht ist Leiter des Pathologischen Institutes
der Berliner Charité und Direktor des Institutes für Stressforschung.
Er und sein Wissenschaftlerteam werteten im Auftrag des Bundesinstitutes für
Telekommunikation 1500 russische Forschungsergebnisse aus: "Biologische
Wirkungen bestehen unbestreitbar. Über Zusammenhänge mit Krankheiten,
speziell Leukämie und Krebs, liegen Untersuchungsergebnisse vor. Elektromagnetische
Felder können als negativer Stress bewertet werden, dessen pathogene Wirkung
eventuell erst nach Jahren sichtbar wird." Prof. Dr. J.G. Hyland vom Institut
für Physik an der University of Warwick erinnert 2001 an die fatale Wirkung
von Mikrowellen: "Zur Unterstützung der Tatsache der gesundheitsschädlichen
Auswirkungen von Mikrowellen, wie sie heute beim Mobilfunk benutzt werden, sollten
wir uns an folgendes erinnern: Während des 'kalten Krieges' war die Mikrowellenbestrahlung
der westlichen Botschaften in Moskau, die die Sowjetunion mit der erklärten
Absicht durchführte, Gesundheitsschäden beim Botschaftspersonal zu
verursachen, erfolgreich. Die eingesetzten Mikrowellenstärken lagen zwischen
der eines Handys und einer Basisstation."
Verantwortungsbewusst bekannten die Regierungschefs bei den
Umweltkonferenzen in Rio de Janeiro: "Bei konkretem Verdacht auf gesundheitliche
Folgen neuer Techniken muss direkt reagiert und nicht abgewartet werden, bis
die oft komplizierten Ursachen lückenlos nachzuweisen sind. Wissenschaftliche
Unsicherheit darf nicht benutzt werden, um kostenverursachende Maßnahmen,
die Umweltschäden vorbeugen, zurückzustellen. Maßnahmen sollen
ergriffen werden, wenn negative Auswirkungen auf die Gesundheit oder die Umwelt
vermutet werden, auch wenn es noch keinen echten Beweis gibt."
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen sperrte 1993 einen D1-Turm
in Essen mit der Begründung: "Die verfassungsrechtliche Verantwortung
des Staates für die Grundrechte unserer Bürger verbietet, wenn Gesundheitsrisiken
nicht ausgeschlossen werden können, das Kind zunächst in den Brunnen
fallen zu lassen und erst dann zu versuchen, etwaig auftretenden Schäden
entgegenzuwirken. Eine neuartige Technologie darf nicht gleich einem Großversuch
an der Bevölkerung auf ihre Unschädlichkeit überprüft werden."
Hinweise auf Probleme gibt es nicht nur beim Menschen, auch
Tiermediziner und Naturschützer horchen auf. Mikrowellen scheinen am Waldsterben
zumindest beteiligt zu sein. Vögel und Fledermäuse verlassen ihre Nester
nach Installation neuer Sender in der Nähe. Das ARD-Magazin 'Report' berichtet
im August 2000: "Mehr als 40 internationale Forschungen geben Hinweise auf
Schäden durch Mobilfunkstrahlen von Sendeanlagen, z.B. Hirnschäden
bei Tieren oder Krebs bei Mäusen. Tierärzte untersuchten Bauernhöfe
in Bayern und Hessen, und zwar Höfe mit Mobilfunkbelastung und ohne. Auf
den Höfen mit Sendern in der Nähe gab es mehr Missbildungen, und die
Tiere verhielten sich anders. Die Studie im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums
bestätigt vorangegangene, bei denen im Mobilfunkeinfluss ebenfalls Missbildungen,
Fehlgeburten, Verhaltensstörungen und die Verringerung der Milchleistung
festgestellt wurden. Immer mehr Landwirte melden sich und bestätigen die
Beobachtung: Mit dem Errichten neuer Mobilfunksender in der Nähe ihrer Höfe
kamen zeitgleich die Probleme beim Vieh."
Dr. Michael Repacholi, Beauftragter der WHO für elektromagnetische
Felder, forschte im Auftrag der australischen Telekom (Telstra) und berichtete
dem 'FocusTV' im Mai 1997: "Die Lymphknotenkrebsrate bei Versuchsmäusen
war mehr als doppelt so hoch, nachdem die Tiere neun Monate lang zweimal täglich
eine halbe Stunde mit gepulsten elektromagnetischen Handywellen bestrahlt wurden.
Es ist offensichtlich, dass die Telefonindustrie nicht erfreut war über
unsere Ergebnisse, weil sie zeigten, dass es Gesundheitsrisiken gibt." Prof.
Dr. Wolfgang Löscher von der Tierärtzlichen Hochschule Hannover kommentierte
in der 'Süddeutschen Zeitung' im Mai 1997 die Repacholi-Studie: "Keine
Firma der Welt entwickelt ein Arzneimittel, welches bei Versuchstieren Krebs
auslöst, und sagt dann, wie das Bundesamt für Strahlenschutz, die Handyhersteller
und Mobilfunkindustrie, das werde beim Menschen schon nicht auftreten."
Dr. George Carlo, Medizin-Physiker und Leiter einer von der
US-Mobilfunkindustrie geplanten 27-Millionen-Dollar-Studie, sollte die Ungefährlichkeit
des Mobilfunks beweisen und kam 1999 zu dem Schluss: "Wir haben Blut in
Reagenzgläsern mit Mikrowellen bestrahlt, die ähnlich der Handystrahlung
sind. Es zeigte sich, dass sich unter dem Feldeinfluss die Zellkerne spalten.
Es gibt Beweise für Schäden durch Mobilfunk. Es geht nicht nur um Hirntumore,
Krebs und Blutveränderungen, sondern auch um genetische Störungen und
andere Probleme. Wenn wir jetzt keine umfassenden Forschungen anstellen und die
Augen schließen, dann bringt das nichts. Mit den Informationen, die wir
zum jetzigen Zeitpunkt in der Hand haben, ist Entwarnung absolut unhaltbar." Daraufhin
wurde die Studie von der Industrie abgebrochen und nicht zu Ende geführt.
Wegen der vielen besorgniserregenden Hinweise wird man an
verantwortlichen Stellen bewusster und vorsichtiger im Umgang mit dem Mobilfunk.
So schließt die Stadt Maintal ab Juni 2001 keine neuen Verträge zur
Errichtung von Mobilfunksendeanlagen in ihren Wohn- und Gewerbegebieten mehr
ab. Der Magistrat will sich an der Auswahl zukünftiger Standorte aktiv beteiligen
und darauf achten, dass neue Anlagen nicht in bebauter Ortslage entstehen und
bestehende Sender außerhalb des Ortes möglichst von mehreren Mobilfunkbetreibern
gemeinsam genutzt werden. Dazu soll die lokale Bürgerinitiative bei der
jeweiligen Standortwahl angehört werden. So das Parlament der Stadt in einem
einstimmigen Beschluss aller Parteien CDU, SPD, Grüne und FDP. Anderen Städten
gilt Maintal als Vorbild, man bemüht sich um mehr Einbeziehung der lokalen
Politiker und der Bevölkerung vor der Neuinstallation von Funkanlagen.
"Keine Mobilfunkantennen mehr in sensiblen Bereichen
wie Kindergärten und Schulen. Sendeanlagen möglichst weit weg von Wohngebieten." Das
fordern seit Sommer 2001 mehrere Städte, z.B. Düsseldorf, Köln,
Krefeld, Mülheim, Regensburg und München. Andere Städte und Gemeinden
ziehen nach. "Keine Funkanlagen mehr auf Wohnhäusern", so die
Stadt Aschaffenburg seit November 1998. "Sendeanlagen gehören nicht
in Wohngebiete und auf Kirchen." Das beschließen alle bayerischen
Bistümer wie München, Freising oder Würzburg im Juli 1998. "Gesundheitliche
Beeinträchtigung kann nicht ausgeschlossen werden", so der Umweltrat
der Evangelischen Kirche Westfalen. Die Diözese Würzburg im 'Merkur
plus', Ausgabe September 2001: "Mit unserem Eintreten für das Leben
und die Bewahrung der Schöpfung machen wir uns unglaubwürdig, wenn
wir solche Sendestationen ohne solide Einschätzung des möglichen Risikos
zulassen."
Es gibt in Deutschland inzwischen über 5000 Bürgerinitiativen
gegen Mobilfunksendeanlagen, es werden jede Woche mehr. Anwälte und Richter
haben alle Hände voll zu tun. Es ist gelungen, den Bau von Sendern zu stoppen
oder bestehende Anlagen abzuschalten. Anfang 1998 wurden auf dem Ratinger Rathaus
auf Druck der Verwaltung die E-Netz und Funkrufsender verlegt, es gab gesundheitliche
Klagen vom Personal. Auf Ende 2000 setzte die Stadt Dormagen die Frist zum Abbau
einer Sendeanlage in einem reinen Wohngebiet. Im September 2000 ließ das
Landgericht Frankfurt die Telekom-Sender auf der Kreuzkirche in Oberursel abschalten.
In Freiburg wurde Ende 2000 eine bereits genehmigte Funkanlage nach Amtsrichterbeschluss
wieder stillgelegt, aus gesundheitlichen Gründen: Sie stand fünf Meter
neben dem Schlafraum eines kranken Mannes, Herzschrittmacherträger und nach
einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. Im Herbst 2001 stoppte das Verwaltungsgericht
Düsseldorf den Bau einer Telekom-Basisstation in Kaarst.
Anwohner klagten. Gewerbliche Funkantennen gehören ohne
Baugenehmigung nicht in reine Wohngebiete, so das Gericht. Anwalt Cornel Hüsch: "Behörden
argumentieren, solche Anlagen seien unter zehn Meter Höhe genehmigungsfrei.
Jetzt müssen sie Farbe bekennen. Mobilfunkstationen gehören in Gewerbe
und Ortsrandgebiete, wo sie niemanden optisch oder durch Strahlung stören."
Wir von der Baubiologie Maes und die Ärzte, mit denen
wir zusammenarbeiten, erleben in den letzten Jahren zunehmend, dass Menschen
auf die gepulste Strahlung solcher Sender reagieren. Immer mehr Funkanlagen werden
in Nacht- und NebelAktionen errichtet, bestehende werden ständig nachgerüstet.
Die Klagen werden lauter, dass körperliche und seelische Symptome wie Migräne,
Schwindel, Müdigkeit, Ohrenrauschen, Nervenprobleme, Konzentrationsstörungen
oder schlechter werdendes Gedächtnis, Gereiztheit, Ängste oder Herzprobleme
auftraten, nachdem man in der Nähe neue Sender installierte. Die gesundheitlichen
Erfolge nach Abschirmung von funkbestrahlten Räumen, Verlegung von Schlafplätzen
in weniger belastete Bereiche oder Entfernung der Verursacher werden immer deutlicher.
Es besteht deshalb für uns alle Baubiologen und Ärzte kein Zweifel
mehr, dass dieser Elektrosmog zur Gesundheitsgefahr werden kann, nicht bei jedem,
aber bei vielen. Wir wissen noch nicht genau, warum es so ist, kennen die biologischen
Wirkmechanismen noch zu wenig, wissen aber nach jahrelanger Recherche, dass es
so ist. Viele Fallbeispiele sprechen eine unmissverständliche Sprache.
Wir von der Baubiologie Maes haben in vielen deutschen Wohngebieten
von Sylt bis München Messungen in der Umgebung von Mobilfunk-Basisstationen
durchgeführt, um herauszufinden, welcher Strahlenbelastung die hier in ihren
Häusern lebenden Menschen ausgesetzt sind. Wir werteten über 1000 Messergebnisse
der letzten vier Jahre aus und kamen unter anderem zu folgenden Erkenntnissen:
Der Durchschnittswert der Mobilfunk-Strahlung in Häusern,
bevorzugt in Schlafbereichen, liegt nach unserer Erfahrung bis Ende des Jahres
2000 im Bereich von 0,01 bis 1 µW/m2 (Mikrowatt pro Quadratmeter). Er nimmt
von Jahr zu Jahr durch die steigende Zahl von Basisstationen zu. Jetzt dürfte
das Mittel in Innenräumen schon auf das etwa Zehnfache, nämlich 0,1
bis über 1 µW/m2 gestiegen sein.
Die niedrigsten Werte in Innenräumen lagen in über
1 km Abstand zur nächsten Mobilfunkstation im Bereich unter 0,001 bis 10 µW/m2,
die höchsten in 5 bis 20 m Distanz mit uneinschätzbaren Streuungen
im Bereich von 10 bis 152.000 µW/m2.
Bei bis zu 100 Meter Abstand zu Funkanlagen muss unter ungünstigen
Verhältnissen mit bis zu 1000 µW/m2 Strahlungsstärke und teilweise
darüber gerechnet werden.
Selbst bei weitem Abstand zu Funkstationen und sehr niedrigen
Messwerten um die 0,001 µW/m2 war das Telefonieren mit Handys ohne technische
Probleme möglich.
Die theoretische Abschätzung oder Berechnung einer Belastung
durch Funkanlagen anhand von Entfernungsangaben ist kaum möglich. Neben
dem Abstand zu den Emittenten ist die genaue Kenntnis vieler Aspekte wichtig,
z.B. die Bestückung der Funkanlage(n) mit ihren verschiedenen Senderarten,
die Leistung und Auslastung der einzelnen Sender und Kanäle und ihre Ausrichtung,
die Lage der betroffenen Räume im Haus (Erd- oder Dachgeschoss), das Abschirmverhalten
der Gebäude (Baumasse, Fenster), die Reflexionen der Strahlung in der Umgebung,
die Frage, ob das Haus in der Hauptstrahlrichtung einer oder mehrerer Sender
liegt, ob Sichtkontakt zur Anlage besteht, ob sie überhaupt schon auf Sendung
ging oder nur installiert wurde...
Zur Sicherheit sind gezielte, sachverständige und interessenunabhängige
Messungen vor Ort und die Bewertung der Ergebnisse auf nichtthermischer, sprich
biologischer Grundlage notwendig und unverzichtbar. Vorsicht: Betreiber, Behörden,
Hochschulen, TÜVs... messen und mitteln oft nach Thermikmanier und Vorgaben
der Verordnung, kommen so zu Unterbewertungen und biologisch kaum brauchbaren
Rückschlüssen.
Zunehmend häufiger und teilweise noch intensiver als
durch den D und E-Netz-Mobilfunk von außen sind gepulste Mikrowellenbelastungen
durch die nonstop funkenden unscheinbaren Basisstationen der DECT-Schnurlostelefone
in Häusern zu finden.
Etwa 20 % der Menschen klagen im Schlafbereich ab 10 µW/m2 über
mehr oder minder heftige Gesundheitsstörungen nach Inbetriebnahme von Mobilfunkanlagen
in der Umgebung, bei DECT-Telefonen teilweise bei noch niedrigeren Intensitäten.
Bei gut 90 % unserer Messungen fiel die Strahlung von MobilfunkBasisstationen
deutlich kritischer aus als die zahlreicher anderer Senderaktivitäten von
Radio über Fernsehen bis zu Betriebs-, Bündel-, Daten-, Flug- und Richtfunk
oder Radar, Militär, Polizei, Feuerwehr, Funkruf und andere Hilfsdienste,
um nur einige Beispiele zu nennen.
In Anbetracht der hohen Feldstärken in der Nähe
von Mobilfunkanlagen und der vorliegenden Forschungsergebnisse zur Problematik
nichtthermischer Wirkungen durch gepulste Mikrowellen sowie unserer Erfahrung
mit den Folgen dieser neuen Technik mahnen wir zur Vorsicht. Wir stimmen mit
vielen Ärzten und Wissenschaftlern überein, die aus Vorsorge fordern,
die persönliche Dosis möglichst niedrig zu halten, unabhängig
von offiziellen Grenzwerten. Sender dieser Art, so meinen wir schon lange und
nun auch Behörden, Kommunen, Bistümer..., gehören nicht in Wohngebiete.
Betreiber, Politiker, Vermieter, Anwohner, Bürgerinitiativen, Umweltmediziner,
unabhängige Elektrosmog-Experten... müssen zusammen an einen Tisch,
um aus der Situation das Beste zu machen.
Wir unterstreichen die Forderung des Umweltmagazins Öko-Test
nach einem "empfehlenswerten und realistischen Vorsorgewert" von maximal
10 µW/m2. Wenn nicht mehr als 10 µW/m2 Mobilfunkstrahlung einen Raum
erreichen, dann, und nur dann, haben die Bewohner recht gute Chancen weitere
individuelle Schutzmaßnahmen eigenverantwortlich vornehmen zu können,
z.B. durch Abschirmungen im Schlafbereich, um auf anzustrebende Werte unter 1 µW/m2
zu kommen. Das ist nicht technikfeindlich, denn eine optimale Handyversorgung
wäre gewährleistet, weil Handys ja schon im Bereich von 0,001 µW/m2
und darunter funktionieren.
Wir alle stehen am Anfang der dringend notwendigen Forschungs
und Aufklärungsarbeit. Keiner sollte so tun als hätte er den Überblick.
Die Zeit für Entwarnung ist genau so wenig reif wie für Panikmache.
Die Zeit ist aber überreif für die sinnvolle Reduzierung aller möglichen
und unnötigen Elektrosmogverursacher und für vorbeugenden Schutz.
Baubiologie Maes, Neuss
(Wolfgang Maes, Dr. Manfred Mierau, Dr. Thomas Haumann)
Dipl.Ing. Helmut Merkel, Maintal
Dipl.Ing. Norbert Honisch, St. Johann
IBN Institut für Baubiologie + Oekologie
Neubeuern
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