Im Auftrag des Umweltmagazins Öko-Test hat die Baubiologie Maes an 28 Messpunkten
die Mikrowellen von Mobilfunk-Basisstationen der vier D- und E-Netze in Deutschland
und Salzburg erfasst. Man wollte einschätzen, welche Strahlungsbelastung
im Alltag auftreten kann, mit welchen Feldstärken zu Hause, in Schlafbereichen,
am Arbeitsplatz oder auch im Freien zu rechnen ist.
Der Test wurde nach der Veröffentlichung im April-Heft
2001 um zahlreiche weitere Messpunkte ergänzt. Die Strahlungsstärken
lagen dabei zwischen 0,01 und 152.000 Mikrowatt pro Quadratmeter. Der Öko-Test
kam in Absprache mit den Elektrosmog-Experten Dr. Lebrecht von Klitzing (Medizinische
Universität Lübeck), Prof. Dr. Günter Käs (Universität
der Bundeswehr, Neubiberg) und der Baubiologie Maes zu dem Schluss: "Ein
empfehlenswerter und realistischer Vorsorgewert ist 10 µW/m2." Das
Magazin definiert Strahlungsstärken bis 10 µW/m2 als niedrige Belastung,
10 bis 100 µW/m2 als mittlere und über 100 µW/m2 als hohe Belastung.
Prof. Käs: "100 µW/m2 im Haus sind zu viel." Dr. von Klitzing: "100 µW/m2
sind bereits sehr bedenklich." 10 µW/m2 sollten, speziell wenn es
um dauerhafte Einwirkungen geht, unterschritten werden, um biologische Risiken
niedrig zu halten. Für Sensible, Kinder und Kranke sowie für Schlaf-
und Regenerationsbereiche wären noch niedrigere Werte sinnvoll. Wenn nicht
mehr als 10 bis höchstens 100 µW/m2 Mobilfunkstrahlung ein Haus von
außen erreicht, dann, und nur dann, haben die Bewohner - je nach Situation
- gute Chancen, individuelle Schutzmaßnahmen eigenverantwortlich vornehmen
zu können, z.B. durch Abschirmungen im Schlafbereich, um auf anzustrebende
Werte unter 1 µW/m2 zu kommen. Das ist nicht technikfeindlich, denn eine
ausreichende Handyversorgung wäre gesichert, weil Handys schon bei etwa
0,001 µW/m2 optimal funktionieren.
Derzeit werden auf dem Gebiet der Mobilfunktechnik Fortschritte
erzielt ohne hinreichende Überprüfung auf ihre biologische Unbedenklichkeit.
Unberücksichtigt bleiben bisher gesundheitliche Auswirkungen unterhalb der
direkten Erwärmung des Körpers. Zunehmend zeigen sich in weltweiten
Studien deutliche Hinweise auf gesundheitliche Risiken in durchaus alltagsüblichen
Mobilfunkfeldern. Zur Erfassung der tatsächlichen Strahlungsbelastung durch
solche Sendeanlagen wurden in mehreren Städten die Feldintensitäten
innerhalb von Wohngebieten und Wohnungen gemessen. Das Verbrauchermagazin Öko-Test
veröffentlichte und kommentierte 28 Ergebnisse Die Auswertung dieser und
weiterer Ergebnisse soll an dieser Stelle vorgestellt und im Zusammenhang mit
der umstrittenen Grenzwertsituation in Deutschland diskutiert werden.
Einleitung
In Deutschland gibt es bereits über 50 Millionen Mobilfunktelefonierer.
Die derzeit betriebenen Mobilfunknetze sind die beiden D-Netze der DeTeMobil
(D1, Telekom) und von Vodafone (D2, einst Mannesmann) sowie die E-Netze von E-Plus
(E1) und Viag-Interkom (E2).
Die D- und E-Netze basieren seit 1992 auf dem GSM-Standard.
Bei beiden Netzen geht es um eine ganz neue digitale Telefontechnik, sie funktioniert
erstmals mit gepulsten Mikrowellen. Die Trägerfrequenzen der D- und E-Netze
liegen bei 890 bis 960 MHz und 1710 bis 1880 MHz bei einem Puls von 217 Hz für
die Mobilgeräte (Handys) und bis 1733 Hz für die Basisstationen.
Zur Zeit befindet sich der neue Mobilfunk-Standard UMTS im
Aufbau. Er wird die D- und E-Netze ergänzen, nicht wie häufig angenommen
ersetzen. Für UMTS werden zusätzliche etwa 50.000 Basisstationen installiert,
die ersten sind schon in Betrieb. Bis zum Jahr 2010 soll die UMTS-Versorgung
flächendeckend sein. Die meisten Anlagen sind niedriger als zehn Meter und
strahlen weniger als zehn Watt Leistung ab. Sie brauchen weder eine Bau- noch
eine Umweltgenehmigung. Die Betreiber müssen vor der Inbetriebnahme diese
lediglich mitteilen.
Die UMTS Sendefrequenzen liegen bei 1900 bis 2170 MHz und
die Systeme sind teilweise ähnlich gepulst wie die D- und E-Netze. Grundlagenforschung
in Bezug auf Risiken durch UMTS-Wellen liegt, wie bei der Einführung der
D- und E-Netze auch, nicht vor. Die Basisstationen werden in nächster Nähe
zu Wohngebieten und direkt auf privaten Hausdächern aufgestellt.
Messungen der Funkstrahlung
Die Strahlung von Mobilfunkstationen wurde von uns an sendernahen Standorten
und bis zu 1500 m Entfernung erfasst. Es kamen dabei kalibrierte Spektrumanalysatoren
und Messantennen zum Einsatz, welche die Spitzenleistungen der Einzelsender und
-kanäle anzeigen und die Zuordnung der Werte zu den jeweiligen Sendefrequenzen
des Mobilfunks ermöglichen. Es wurden die Spitzenwerte der D- und E-Netz-Sendeleistungen
aufsummiert. In der folgenden Tabelle sind die Messergebnisse mit den zugehörigen
Randbedingungen und Messorten aufgelistet, es wurde nach aufsteigender Strahlungsdichte
sortiert.
Anmerkungen zur Tabelle
Die Strahlungsintensität in dem Neusser Jugendstilhaus (2,8,23) variiert
bei gleichem Abstand zu den Sendeanlagen um den Faktor 1 zu 10.000, je nachdem
wo im Haus gemessen wurde. Beim Mehrfamilienhaus in Lübeck-Schlutup (12,27)
befindet sich die Funkanlage auf dem Flachdach dieses Gebäudes. Beim Obernhof
im bayerischen Schnaitsee (14,25,30) werden krankhafte Veränderungen beim
Viehbestand auf die Funkbelastung zurückgeführt. Jenes Kinderzimmer
in Saerbeck (34) wurde nach den Messungen abgeschirmt, der Effekt: 0,5 µW/m2,
das sind 99 % Reduzierung. Seitdem geht es dem zuvor ständig kranken fünfjährigen
Jungen wieder gut. Die Besitzer der Ferienwohnung auf Sylt (42) haben nur hier
immer Kopfschmerzen und andere Beschwerden, zu Hause mitten im Ruhrgebiet nie.
Kopfschmerzen, Schwindel und Ohrengeräusche beklagt auch der Besitzer des
Büros in Düsseldorf (44), ebenfalls nur hier, nach einer halben Stunde
außerhalb des Büros sind die Beschwerden verschwunden. Der elfjährige
Sohn aus Düsseldorf-Niederkassel (47) schläft im Kinderzimmer keine
Nacht; im Gästezimmer (hier 99,5 % weniger Funk) schläft er ohne Probleme.
Der von Salzburg geforderte Wert von 1000 µW/m2 wird an mehreren Stellen überschritten,
so auch am Messpunkt 52. Das Kinderzimmer in Maintal-Hochstadt (54) wurde komplett
abgeschirmt, zusätzlich auch das Bett. So gingen die außergewöhnlichen
Werte von über 150.000 µW/m2 auf unter 300 zurück. Das Kind hatte
hier zuvor ständig Angstträume, Nachtschweiß, war nervös
und kam nicht zur Ruhe; danach ging es spürbar besser.
Interessant, dass neben dem Abstand zu den Sendern auch der
Sichtkontakt eine wesentliche Rolle spielt, die Messreihe mit Sichtkontakt zeigt
eine im Mittel um den Faktor 10 höhere Strahlenbelastung. Hier wird die
Verwandtschaft der Mikrowellenstrahlen zum elektromagnetischen Spektrum des Lichtes
deutlich.
Alle unsere Messwerte liegen, wie zu erwarten, auch
in nächster Nähe zu den Sendern deutlich unterhalb der Grenzwerte.
Wir haben nach einigen tausend Messungen noch keine einzige Grenzwertüberschreitung
gefunden. Die Einhaltung der Verordnung wird auch in Messaktionen der Regulierungsbehörde
für Telekommunikation und Post dokumentiert, wobei die Ergebnisse im Mittel
um den Faktor 100 bis 1000 unter den Grenzwerten liegen, erfasst an sendernahen
Standorten im Freien.
Bewertung und Grenzwerte
Insgesamt liegen 16 von insgesamt 54 Messpunkten im Bereich relativ niedriger
Belastung bis 10 µW/m2 (Bewertung Dr. von Klitzing, Prof. Käs und
Baubiologie Maes, siehe Öko-Test), 9 Messpunkte im Bereich mittlerer Belastung über
10 bis 100 µW/m2 und 29 Messpunkte im Bereich hoher Belastung über
100 µW/m2. 11 Punkte lagen dabei über 1000 µW/m2, einem Messwert,
bei dem in wissenschaftlichen Laborversuchen bereits bei Kurzzeiteinwirkung verschiedene
biologische Effekte wie Hirnstromveränderungen und Nervenreizungen gefunden
wurden. Kritische 10.000 µW/m2 und mehr gab es an 6 Stellen, und der 'Sieger'
brachte 152.000 µW/m2 auf die Anzeige unserer Messgeräte.
Nach Auswertung mehrerer tausend Untersuchungen durch die
Baubiologie Maes der Jahre 1995 bis 2000 wurden in den meisten Häusern,
speziell an Schlafplätzen, Mobilfunkeinwirkungen im Bereich von 0,01 bis
1 µW/m2 ermittelt. Vor 1995, in den Anfangsjahren der sprunghaft zunehmenden
Mobilfunkinstallation, war es etwa ein Zehntel, nach 2000 bis heute dürfte
etwa das Zehnfache erreicht sein. Mit der Installation von UMTS erwarten wir
eine weitere deutliche Zunahme der Hintergrundbelastung.
Im Nahbereich bis 100 Meter und mit Sichtkontakt zum Sender
kann in einigen Fällen (längst nicht in allen) mit Dauerbelastungen
bis und über 1000 µW/m2 gerechnet werden. Ohne Sichtkontakt muss im
Bereich von 100 Metern von Einwirkungen bis und über 100 µW/m2 ausgegangen
werden. Die breite Streuung ist unter anderem abhängig von der Art, Intensität,
Ausrichtung, Anzahl und Höhe der Sender, vom Abstand und Sichtkontakt zum
Sender, vom Reflexionsverhalten in der Umgebung, von der Baumasse nebst Art der
Fenster. Deshalb ersetzen diese exemplarischen Angaben keine individuelle Messung
vor Ort, sie können jedoch zur Orientierung und Abschätzung der Strahlenexposition
von Basisstationen beitragen.
Der Richtwert in Salzburg wurde auf 250 µW/m2 für
Einzelsender und 1000 µW/m2 für die Summe aller Basisstationen festgesetzt.
Für Innenräume werden 1 µW/m2 gefordert. Die Empfehlung von Dr.
von Klitzing ist 10 µW/m2.
Kritische Wissenschaftler, Umweltmediziner und Baubiologen
fordern für gepulste Mikrowellen eine Unterschreitung von 1 µW/m2
für die Dauerexposition in Regenerations- und Schlafbereichen.
Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz
(BfS), Wolfram König, empfahl im Juli 2001 für weitere Standortfestlegungen
die Kommunen mit einzubinden und die Umgebung von Kindergärten, Schulen
und Krankenhäuser zu meiden.
Die Ärztekammer in Niedersachsen fordert im August 2002: "Bei
der Belastung durch Mobilfunk-Sendemasten geht es um unfreiwillig eingegangene
Risiken und um dauerhafte Belastungen. Es sind sehr viele Menschen betroffen.
Die vorhandenen medizinischen und biologischen Befunde zeigen, dass im Sinne
einer vorbeugenden Vorsicht es unumgänglich ist, sich am Minimierungsprinzip
zu orientieren. Alle Möglichkeiten zu einer Minimierung der Immissionen
sollen genutzt werden."
Das Europäische Parlament veröffentlicht im März
2001: "Die Besorgnis der Öffentlichkeit ist nicht unbegründet." Und: "An
Stellen mit Langzeitbelastung sollte 100 µW/m2 nicht überschritten
werden."
Die 'Welt am Sonntag' berichtet im April 2002: "Masten
schrecken Käufer ab. 70 % der in einer Studie des Rings Deutscher Makler
befragten 600 Mitglieder gaben an, dass sich Sender verkaufshemmend oder wertmindernd
auf den benachbarten Immobilienbesitz auswirken. Dabei geht es um Wertverluste
bis 50 %, wenn sich das Haus oder die Wohnung unter oder in unmittelbarer Nähe
einer Funkanlage befinden."
Die ICNIRP (Internationale Strahlenschutzkommission) ist ein
privater Verein, der Grenzwerte erarbeitet, die von der WHO (Weltgesundheitsorganisation),
der SSK (nationale Strahlenschutzkommission) und einigen Ländern, so auch
Deutschland, übernommen wurden. Die meisten Länder haben keine gesetzlich
festgeschriebenen Grenzwerte und akzeptieren die ICNIRP-Werte nicht. Es gibt
weltweit zunehmend Proteste gegen die ICNIRP-Werte, deren Berechnungsgrundlage
nur der thermische Effekt ist (die Erwärmung von Körpern oder Körperteilen
im Einfluss der elektromagnetischen Mikrowellen), deshalb viel zu hoch ausfallen
und keinen ernst zu nehmenden biologischen Schutz bieten.
Die Schweizer Grenzwerte gelten für Innenräume und
Bereiche, in denen sich Menschen längere Zeit aufhalten, und andere sensible
Zonen wie Schulen und Kindergärten.
Die auf dem Bürgerforum im Oktober 1999 an Bundesumweltminister
Trittin übergebene Resolution wird getragen von zahlreichen Elektrosmogexperten,
Wissenschaftlern, Umweltmedizinern, Baubiologen, Umweltkliniken, Umweltverbänden,
Umweltlaboren, Instituten, Sachverständigenbüros, Berufsverbänden,
Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen und Arbeitskreisen.
Nach Erfahrung der Baubiologie Maes und Kollegen sind bei
einigen Menschen biologische Effekte und gesundheitliche Probleme wie z.B. Kopfschmerzen,
Unwohlsein, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Leistungsknicks,
Verhaltensauffälligkeiten, Ohrgeräusche, Bluthochdruck, Herz-Kreislaufstörungen
im Bereich von etwa 10 µW/m2 bei Dauereinwirkung, speziell in Schlafbereichen,
feststellbar.
Wenn nicht viel mehr als 10 µW/m2 Mobilfunkstrahlung
von Sendeanlagen an einem Haus ankommen, so gibt es für die hier lebenden
Menschen in den meisten Fällen solide Möglichkeiten zur Abschirmung
und somit zum individuellen Schutz. Hierfür stehen eine Reihe von praktikablen
Materialien zur Verfügung, seien es Folien, Stoffe, Gardinen, Gewebe, Tapeten,
Putze, Fliegengitter oder die bewusste Fensterglas- bzw. Baustoffauswahl. Am
Rande sei bemerkt, dass vor dem geplanten Einsatz solcher Produkte sachverständige
Messungen vor Ort notwendig sind, weil sie falsch eingesetzt eine Situation verschlimmern
können. Wenn das Haus selbst die Felder bereits gut zurückhält
(massive Bausubstanz, dicke Wände, Betonarmierung, Metallflächen, Wärmeschutzscheiben,
kein Sichtkontakt...), dann wären Außenwerte auch um 100 µW/m2
und mehr durch Abschirmmaßnahmen, Schlafplatz- oder Raumwechsel gut beherrschbar.
Diskussion und Forschung
Die Mobilfunkstrahlung ist nicht nur kritisch durch ihre Intensität, sondern
auch die Form ihrer Abstrahlungscharakteristik, die Modulation bzw. Pulsung.
Die thermische Gefahr dieser Mikrowellen ist gut erforscht und in der Literatur
beschrieben. Arbeiter an Radaranlagen erlitten starke Verbrennungen und es gab
Todesfälle. Offizielle Grenzwerte sind, wie erwähnt, ausschließlich
an dem Konzept der Wärmeentwicklung orientiert. In der letzten Zeit häufen
sich die Berichte über die gesundheitlichen Gefahren von Mobilfunkstrahlung
auch weit unterhalb von thermischen Wirkungen.
Der Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing (Universität
Lübeck) hat gefunden, dass gepulste Strahlen, wie sie bei den D- und E-Netzen
vorliegen, Veränderungen der Gehirnströme im EEG verursachen. Ähnliche
EEG-Effekte wurden von mehreren Forschungsgruppen bestätigt. Sie wurden
im Labor mit Feldstärken ausgelöst, die im Alltag in der Umgebung von
etwa 50 bis 200 Metern von D- oder E-Basisstationen zu erwarten sind.
Ärzte zeigten, dass sich rote Blutkörperchen nach
wenigen Minuten Mobilfunkeinwirkung wie magnetisch anziehen und miteinander verkleben,
es bildet sich eine Art Geldrollenbildung. Wenn Blutkörperchen-Zusammenballungen
z.B. in kleine Gefäßverästelungen kommen, dann könnte das
die Herzinfarkt-/Thrombosegefahr steigern.
Australische Wissenschaftler stellten ein Erklärungsmodell
auf, wie Handywellen Krebs auslösen könnten. Demnach produzieren Zellen,
die regelmäßig solchen Feldern ausgesetzt sind, vermehrt Hitze-Schock-Proteine.
Ein Zuviel dieser Proteine begünstigt Krebs und dämpft die Wirkung
von Anti-Krebs-Medikamenten. Und das bei Strahlenintensitäten unterhalb
der Grenzwerte.
In Australien wurde über rapide zunehmende Hirntumorerkrankungen
berichtet. Die Gehirntumorstatistik war lange Zeit stabil, sie stieg erst in
den letzten Jahren mit der sprunghaften Zunahme von Handywellen in die Höhe.
Dies deckt sich mit den Beobachtungen einer Öffnung der Blut-Hirn-Schranke
im Einfluss der gepulsten Mikrowellenstrahlung.
In der epidemiologischen Studie des Universitätsklinikums
Essen wurde ein Zusammenhang zwischen der Entstehung von Augenkrebs und dem Gebrauch
von Handys festgestellt. Die Ergebnisse der Untersuchung weisen auf eine Verdopplung
des Risikos für diesen Augentumor hin.
ECOLOG-Studie
Das ECOLOG-Institut in Hannover hat im Auftrag der T-Mobil den aktuellen wissenschaftlichen
Kenntnisstand zu Auswirkungen der Mobilfunkfelder des auf die Gesundheit ausgewertet.
Das Resultat der umfassenden Studie zeigt, dass es eine Reihe ernst zu nehmender
Befunde aus Untersuchungen an stärker belasteten Bevölkerungsgruppen
und aus Tierexperimenten gibt, die auf eine krebsfördernde Wirkung der elektromagnetischen
Felder hindeuten.
Experimente an Zellenkulturen ergaben zudem deutliche Hinweise
auf eine direkte gentoxische Wirkung dieser Felder, wie DNS-Brüche und Schäden
an den Chromosomen. Auf ein kanzerogenes Potential deuten auch die Befunde zur
Beeinflussung der Zelltransformation, der Zellvermehrung und der Zellkommunikation
hin. Nachgewiesen wurden ferner Störungen zellulärer Prozesse, z.B.
der Protein-Synthese und der Steuerung durch Enzyme, und Wirkungen auf das Hormon-
und das Immunsystem. In zahlreichen Versuchen an Menschen wie an Tieren wurden
Beeinflussungen des zentralen Nervensystems gefunden, die von neurochemischen
Effekten bis zu Veränderungen der Hirnpotentiale und Beeinträchtigungen
bestimmter Gehirnfunktionen reichen. Letztere zeigen sich im Tierexperiment u.a.
an Defiziten im Lernvermögen. Bei Versuchspersonen wurden bestimmte Beeinflussungen
kognitiver Funktionen entdeckt. Risiken für das Gehirn ergeben sich auch
durch die Erhöhung der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für
Fremd- und Schadstoffe, die in mehreren Experimenten bei Tieren gefunden wurden.
Im Tierexperiment konnte auch eine deutliche Verminderung der Konzentration des
Hormons Melatonin im Blut festgestellt werden.
WHO-Studie
Die Weltgesundheitsorganisation organisiert derzeit eine umfangreiche Studie
zum Krebsrisiko. Ende 2003 sollen erste Ergebnisse vorliegen.
Empfehlung
Viele Gemeinden stehen vor der schwierigen Aufgabe zwischen den Bedürfnissen
nach einem flächendeckenden Mobilfunknetz und den daraus resultierenden
Problemen für betroffene Bürger zu vermitteln. Die endgültige
Beurteilung von biologischen Risiken ausgehend von Mobilfunksendern ist zur Zeit
noch schwierig, zum Schutz der öffentlichen Gesundheit jedoch dringend erforderlich.
Aus baubiologischer Erfahrung, zahlreichen Fallbeispielen betroffener Bürger
und den bekannten biologischen Effekten wird für die gepulsten Immissionen
von Mobilfunkstationen ein Vorsorgewert für alltägliche Dauerbelastungen
von maximal 10 µW/m2 empfohlen, für Schlaf- und Regenerationsbereiche
noch darunter.
Wolfgang Maes
Baubiologe IBN / Journalist DJV
Dr. Thomas Haumann
Baubiologe IBN / Diplom-Chemiker
Baubiologie Maes, Neuss
Institut für Baubiologie + Oekologie IBN
Neubeuern 2002
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