bios affair - Betten in Frankfurt / Rhein-Main  
Brief an Ökotest
Archiv-Übersicht zurück zu Archiv 2

schöne betten
futon & matratzen

home

Unsere Produkte
Angebotsübersicht

direkt zu den:
Betten
Matratzen
Futon
Tatami

Konzeptionen
Naturmatratzen,
gesundes Liegen

Schlaf • Notizen
Tatsachen und
Geschichten

Archiv + News
Rückenleiden,
Betten und Umwelt

Glossar
Fachbegriffe

Kontakt
Impressum

 


Ökotest Verlag GmbH
Redaktion
Postfach 90 07 66
60447 Frankfurt

Frankfurt, den 22.04.03

Leserbrief
Betr.: Schluderiges und feullitonistisches Abfassen von Artikeln

Hallo Ihr Leute vom Ökotest,

wir lesen regelmäßig Euer Heft und wissen es zu schätzen, dass es den Ökotest gibt, als das einzige bedeutsame ökologische Korrektiv in der deutschen Konsumlandschaft.
Gerade weil der Ökotest von der Öffentlichkeit ernst genommen wird, finden wir es bedauerlich, dass bei manchen Veröffentlichungen oberflächlich und nachlässig recherchiert wird, so dass dann nichtssagende feullitonistische Artikel dabei herauskommen.

Wir beziehen uns dabei auf den Bereich, in dem wir uns gut genug auskennen, um das zu behaupten: Betten, Matratzen und gesundes Schlafen.
Aufhänger unseres Schreibens sind Ihre letzten Artikel zu diesen Themen in dem "Ratgeber Bauen, Wohnen & Renovieren" Nr. 5 (und der entsprechende Artikel in Ökotest 12/2002) sowie der etwas merkwürdige Test "Prüfzeichen Matratzen".

Wir haben uns u. a. die Mühe gemacht, den Artikel "Wie man sich bettet.." auf Seite 134 ff. genau durchzugehen und zu kommentieren, denn hier geraten neben diversen Fehlern Meinungen und Sachaussagen bunt durcheinander:
Zu Beginn findet man auch in diesem Artikel die übliche Erklärung, dass die Matratze punktelastisch sein soll und den Körper anatomisch unterstützen soll, damit die Wirbelsäule in allen Schlafpositionen in ihrer natürlichen S-Form ruhen kann.

Auf dieses Erklärungsmuster haben sich anscheinend alle Fachleute abgestimmt, von den Bettenfachgeschäften bis hin zu Stiftung Warentest oder zu Jean Pütz von der Hobbythek. Aber trotz des aufgestellten Bewertungsmaßstabes werden in dem Artikel anschließend alle Matratzentypen gleichrangig nebeneinander dargestellt, obwohl die beschriebenen Vollpolstermatratzen und Futons nun alles andere als punktelastisch zu charakterisieren sind.

Wenn der Leser mit diesem Ratschlag in die Geschäfte geht, wird er mit Erstaunen feststellen, dass nahezu alle Anbieter ihre Matratzen mit der Auszeichung "punktelastisch und Wirbelsäule stützend" versehen, er wird sogar noch eine medizinische Begründung dazu erhalten (die Bandscheibe muss sich wieder auffüllen können...) und vielleicht wird ihm darüber hinaus auch noch eine Vermessung der Wirbelsäule angeboten.

Falls schließlich nach Besuch mehrerer Fachgeschäfte noch gänzlich unterschiedliche Matratzen als "objektiv richtig" ermittelt werden, ist Verwirrung unvermeidlich. Aber nur wenige Menschen werden merken, dass derartige Theorien systematisch daneben liegen, ein Versuch, den Körper in ein idealisiertes Einheitsraster zu pressen.

So kommen tatsächlich Menschen zu uns, die beim Probeliegen besorgt danach fragen, ob denn ihre Wirbelsäule gerade ausgerichtet ist, anstatt sich an der eigenen Körperwahrnehmung zu orientieren.

Nach unserer Meinung geht es überhaupt nicht um das hochmystifizierte Knochengerüst Wirbelsäule und seine "natürliche Lagerung", es sind vielmehr die Muskeln, Bänder und Fascien, die sich regenieren und neu organisieren müssen. Wie sich die Wirbelsäule dabei ausrichtet, ist in der Regel weitgehend unerheblich, (ebenso für die vielbemühten Bandscheiben, wie Druckmessungen am lebendigen Körper beweisen (siehe dazu in unserem Archiv unter www.boyboks.de oder direkt im Original: Spine, Vol. 24 1999 "New In Vivo Mearsurement of Pressures in the Intervertebral Disc on Daily Life").

Muskeln, Bänder und Fascien des "Bewegungsapparates" reorganisieren sich nicht, in dem sie schlaff und entspannt vom Skelett herabhängen, wie angenommen wird, sondern benötigen je nach vorhandenen Problemen und nach Gewohnheitsmustern ganz bestimmte Spannungen und Bewegungen um einen Ausgleich zu vorhergehenden einseitigen Belastungen zu erzielen.

Daraus begründet sich auch, warum viele Menschen den Wunsch haben, auf relativ festen Matratzen zu liegen. Sie wollen gerade nicht in die Matratze einsinken, da sich sonst der Bewegungsapparat (inclusive Wirbelsäule) nicht wie gewünscht ausrichten und strecken kann. Und aus diesem Grund verkaufen wir auch weiterhin überwiegend feste Matratzen, obwohl der Futontrend auch bei uns längst vorbei ist.

Die "Normal-Wirbelsäule" gibt es nicht, genausowenig wie ihre "natürliche Lagerung". Besuchen Sie uns, am besten mit der ganzen Redaktion, dann können wir Ihnen am eigenen Leib die jeweiligen Unterschiede demonstrieren.

Gerade aus den alltäglichen Verkaufserfahrungen wissen wir, dass Lehrmeinungen hinsichtlich der Rückenlagerung kaum eine Bedeutung haben, sondern vielmehr die jeweiligen Bewegungs- und Haltungsmuster, die bei jeder Person genauso individuell sind wie der mentale Charakter.

Die Faustregeln aus Ihrem Artikel wie "nicht zu fest und nicht zu weich" helfen niemanden, sondern verunsichern sogar, wenn die eigene Körperwahrnehmung nicht mit dem Ratschlag übereinstimmt.
Genauso ist es mit der Regel, dass gewichtige Personen oder empfindliche Bandscheiben eine festere Unterlage benötigen. Einerseits werden hier Birnen und Bohnen in einen Topf geworfen. Und zum anderen werden sich manche gewichtige Personen bedanken, wenn man von Ihnen verlangt, sich auf eine harte Matratze zu legen. Natürlich brauchen sie eine stabile Matratze, die sich nicht von ihrem Körpergewicht zusammenquetschen lässt, das heißt aber wiederum nicht, dass anschmiegsame und stützende Eigenschaften unerwünscht sind.

Von den Meinungen zu Fakten und Fehlern:

1. Im weiteren Textverlauf wird behauptet, dass Naturlatex eine antiseptische Wirkung auf Bakterien und Hausstaubmilben besitzt. Darüber ist uns nichts bekannt, außer Sie gehen von der Toxität der Latexhilfs- und Prozesschemikalien aus, die wir ja nun alle auf das höchstmögliche Maß einzuschränken und zu kontrollieren versuchen. Aber die unvermeidlichen Restbelastungen durch die Prozesschemikalien als eine positive Eigenschaft hervorzuheben, kann ja wohl schwerlich das Ziel Ihrer Aussage sein.

2. Warum man bei der Verwendung von Latex gute Karten bezüglich der Belüftung hat, während Schaumstoff das Schwitzen fördert, ist von uns leider ebenfalls nicht nachvollziehbar. Dummerweise ist gerade der auch von uns und von Ihnen präferierte Latex ein weitaus stärkerer Isolator als der grobporige Polyurethanschaumstoff. Bei beiden Schaumstofftypen helfen natürlich Kavernen, daher tragen diese nicht zur Unterscheidung zwischen den Versionen bei.

Vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang wichtiger, zu betonen, dass durch eine üppige Dimensionierung von zusätzlichen Naturhaarauflagen (mit ihrer Hygroskopizität) die relative Luftfeuchtigkeit und damit das Schwitzen wirkungsvoll eingeschränkt werden kann.

3. Im Abschnitt über Federkernmatratzen wird geschrieben, es gäbe neben den Taschen-Federkernmatratzen als Weiterentwicklung Tonnen- und Zylinder-Federkernmatratzen. Das ist nicht ganz richtig, denn die Tonnen- und Zylinder-Federkernmatratzen sind nur die unterschiedlichen Techniken der Taschen-Federkernmatratzen, ohne eine bestimmte Form geht es nicht.

4. Unter der Überschrift Naturmatratzen wird behauptet, dass Rosshaar von Schädlingen gemieden wird. Das ist leider ganz und gar nicht der Fall, und ich glaube, das müssen wir hier nicht weiter belegen.

5. Die Naturmatratzen, die in dem Artikel beschrieben werden, haben übrigens wenig mit den Naturmatratzen zu tun, die üblicherweise angeboten werden. In dem Artikel wird der Begriff "Naturmatratzen" etwas wirklichkeitsfremd auf reine Vollpolstermatratzen bezogen, welche aber heute mangels Nachfrage kaum noch angeboten werden. Aus diesem Grund haben sich die naturorientierten Matratzenanbieter unausgesprochen darauf abgestimmt, ihre Matratzen mit Naturlatex im Kern und zusätzlichen Lagen von Naturfasern als Naturmatratzen zu bezeichnen. In diesem Zusammenhang ist der Begriff Naturmatratze überhaupt erst kreiert worden: als Abgrenzung zu den Futons (mit den man nichts mehr zu tun haben wollte) und als Abgrenzung zu den herkömmlichen Latexmatratzen, die neben dem synthetisch hergestellten Latexkern in der Regel nur einen dünnen Steppbezug mit Baumwoll- oder Schurwolleinlage besitzen, also deutlich weniger Natur.

6. Unter der Überschrift Futon ist die anfängliche Beschreibung zutreffend, bei der es um die Futonmodelle geht, die dem traditionellem japanischen Futon angelehnt sind. Wenn Sie aber die relativ steifen europäischen Futonmodelle mit Gummikokoseinlagen gemäß der Abbildung auf Seite 136 (übrigens unsere Futonmatratze "Duplex") aufrollen wollten, werden Sie feststellen, dass dies nicht geht.

7. In der Rubrik Matratzenpflege wird behauptet, dass große Fachgeschäfte über Waschanlagen für Matratzen verfügen. Es gibt unseres Wissens kein Geschäft in Deutschland, das eine derartige Waschanlage für Matratzen besitzt, wohl aber Waschanlagen für eine schonende Wäsche von Matratzenbezügen.

 

"Test Prüfzeichen Matratzen"

Abschließend noch einige Bemerkungen zu diesem Artikel, den wir als ziemlich kurios empfinden. Hier wollte Ökotest wissen, wie genau es die unterschiedlichen Prüfprogramme nehmen. Der Artikel wird als "Test" von Prüfzeichen verkauft. Von Test kann aber keine Rede sein. Die Prüfzeichen werden danach bewertet, ob sie umweltbelastende Inhaltsstoffe zulassen. Hier könnte der oberflächliche Leser meinen, es ginge um Schadstoffe in der Matratze, denn darum geht es wirklich bei den meisten der angegebenen Prüfzeichen.

Aber erst nach zweiter und dritter Lesung, geht dem Leser ein Licht auf, dass es dem Ökotest allein darum geht, ob die Prüfzeichen Anteile von Syntheselatex in den Matratzen akzeptieren oder nicht. Die "umweltbelasteten Inhaltsstoffe" beziehen sich nicht auf die Matratze, sondern auf den Ursprung des Rohstoffs Latex.

Durch diesen sprachlogischen Trick kommt es dazu, dass das Zertifikat vom Eco-Umweltinstitut Köln bei der Bewertung an erster Stelle eingeordnet wird, obwohl es die Schadstoffkontrolle nur nach dem untersten Textilstandard, dem Eco-Tex-Standard 100 durchführt (und außer einer einzigen Untersuchung keine weiteren Kontrollen durchführt) während der um etwa eine Zehnerpotenz strengere Maßstab vom TÜV Rheinland (mit weiteren regelmäßigen Kontrollen) dagegen auf unterster Stelle landet.

Auch wir verwenden in unseren Matratzen ausschließlich Naturlatex und finden das konsequent, aber wir würden nie darauf kommen, mit solchen Wortspielen zu arbeiten, und schließlich das Zeichen mit der größten Schadstofftoleranz als "sehr gut" bewerten.

Wenn es wirklich um die Ökobilanz gehen sollte, würde man nicht nur eine andere Überschrift wählen, sondern den Artikel auch völlig anders aufziehen.

Bei aller Solidarität, dieser "Test" passt nicht zum Anspruch von Ökotest. Wir hoffen diesbezüglich auf eine Korrektur und würden uns auf eine Antwort freuen.

Mit besten Grüßen

Ede Fischer
für das Team von bios affair, Frankfurt

Rainer Postl
von boyboks Naturfasermatratzen, Oberursel

 

Nachtrag: Dieser Brief ist vom Ökotest nicht beantwortet worden.

Siehe auch einen neueren Text in den Schlaf • Notizen
unter: Öko-Test macht den "Liegekomfort" zu einer objektiven Größe


nach oben Archiv-Übersicht zurück zu Archiv 2