Auf dem Kongress „Schmerztag“ 2007 in Frankfurt wurde von
den Schmerztherapeuten übereinstimmend die Auffassung vertreten, dass chronische
Rückenleiden in den überwiegenden Fällen mit ungeeigneten Methoden
behandelt werden. Dabei werden erhebliche Kosten verschlungen ohne den eigentlichen
Problemen zu Leibe zu rücken.
Anders als bisher angenommen, haben die Rückenschmerzen
meistens keine strukturelle Ursache, d. h., sie kommen nicht von der Wirbelsäule
oder den Bandscheiben, sondern beruhen vielmehr auf funktionellen Störungen
der Muskulatur.
Bedingt durch eingefahrene Behandlungsansätze gehen viele
Orthopäden
bei der Diagnose generell von strukturellen Verschleißerscheinungen aus
und verordnen z. B. entzündungshemmende Medikamente, obwohl nur in seltenen
Fällen Entzündungen vorliegen.
Die meisten chronischen Rückenbeschwerden
entstehen nach Auffassung der Schmerztherapeuten durch Bewegungsmangel und durch
wiederholte einseitige Belastungen. Die Rückenmuskulatur wird geschwächt
und überlastet, was dann
zu den bekannten leidvollen Muskelverkrampfungen führt.
Das entscheidende
Problem ist dabei, dass die Nervenzellen im Rückenmark
durch die ständigen Überlastungsimpulse über das normale Maß sensibilisiert
werden, so dass schließlich schon durch leichte Muskelanspannungen Schmerzen
ausgelöst werden.
Neuere Forschungen haben nun gezeigt, dass die krampfhafte
Kontraktion eines Muskels nicht durch diesen Muskel selbst entsteht, sondern
von Schmerzquellen außerhalb des jeweiligen Muskels herrühren. Die
dabei auftretende Übererregbarkeit
der Nervenzellen lässt sich nicht durch entzündungshemmende Medikamente
dämpfen, sondern vielmehr durch Substanzen, die das Ausströmen von
Kaliumionen aus den Zellen fördern.
Die Wirksamkeit dieser Medikamentierung
(Flurpirtin) wurde an 700 Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden erfolgreich
getestet.
Quelle: FAZ vom 21.03.2007
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