Im Kampf gegen Schweißgeruch werden immer mehr Textilien mit umstrittenen
Chemikalien behandelt. Ein Test des Kölner eco-Umweltinstitutes für
die neueste Ausgabe des GREENPEACE MAGAZINS weist in vier von sechs Textilien
die antibakterielle Chlorchemikalie Triclosan nach.
Die Profi-Rad-Caprihose von Tchibo, das Langarmhemd Thermolite
AirX von Rukka, die Strumpfhose Montreal von Cette und ein Badeanzug der Firma
Solar waren mit einem so genannten "eingebauten Deodorant" der Schweizer
Firma Sanitized ausgestattet, welches das Wachstum von Geruch bildenden Bakterien
hemmen soll. Die Textilien enthielten Triclosan in Konzentrationen von bis 500
Milligramm pro Kilogramm Textil.
Die EU stuft das Dauergift aus der Gruppe der Chlorphenole
als "umweltgefährdend" ein. Zwar fehlen Grenzwerte für Triclosan
in Kleidung, nach Ansicht von Experten gelten Werte ab 400 Milligramm pro Kilo
jedoch als "erhebliche" Menge. "Triclosan ist überflüssig
und belastet die Gesundheit", urteilt der Greenpeace-Chemieexperte Manfred
Krautter, schon aus Vorsorgegründen gehöre es verboten. Die EU müsse
den Konsumenten solch problematische Substanzen durch das neue Chemikaliengesetz
REACH vom Leibe halten.
Triclosan greift den natürlichen Schutzmantel der Haut
an, weil die Substanz auch nützliche Keime tötet, bestätigt Prof.
Dr. Uwe Wollina, Chefarzt der Hautklinik Dresden. "Eine unspezifische Reduktion
der Bakterienzahl auf der Haut ist bei gesunden Menschen von zweifelhaftem Wert",
schreibt der Dermatologe in einer Stellungnahme für das Hamburger GREENPEACE
MAGAZIN.
Obwohl die Firma Sanitized argumentiert, ihr Produkt sei fest
mit der Faser verbunden und ein Einfluss auf die Hautflora könne "praktisch
ausgeschlossen" werden, zeigt ein zweiter Test des eco-Umweltinstitutes,
dass Triclosan durch Schweiß bereits nach einer Stunde aus der Faser gelöst
wird - es also auf der Haut landet.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin (BfR)
will in einer Anhörung mit Textil- und Chemieverbänden den ausufernden
Einsatz von Triclosan in Kleidung hinterfragen. "Waschen, trocknen, luftig
halten" reiche gegen Schweißgeruch völlig aus, erklärte
BfR-Experte Wolfgang Lingk.
Quelle: Greenpeace Magazin vom 29.04.04
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