Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in einer heute veröffentlichten
Studie auf die Gefährlichkeit des PVC-Weichmachers DEHP (Diethylhexylphthalat)
hingewiesen. Demnach ist die Aufnahme von hormonell wirksamen Stoffen im menschlichen
Organismus wie dies etwa die Weichmacher Phthalate sind, wesentlich höher
als bisher angenommen. Diese Stoffe sind stark verbreitet und gelten als höchst
gesundheitsgefährdend, weil sie in den Hormonhaushalt des Menschen eingreifen
und die Fortpflanzung und Entwicklung schädigen.
Das DFG-Projekt, das von Forschern der Universität Erlangen-Nürnberg
unter der Leitung von Jürgen Angerer von der Poliklinik für Arbeits-,
Sozial- und Umweltmedizin durchgeführt wurde, hat ergeben, dass vor allem
Kinder größere Mengen der Stoffe aus der Umwelt aufnehmen, als bisher
bekannt.
Phthalate wie der Weichmacher DEHP gehören zu den wichtigsten
Industriechemikalien und werden in sehr großen Mengen erzeugt. Von den
jährlich weltweit produzierten zwei Mio. Tonnen DEHP werden 90 Prozent als
Weichmacher für PVC eingesetzt. Phthalate werden aber auch in vielen anderen
Bereichen wie bei der Herstellung von Körperpflegemitteln und Textilien
beigemengt. Der Mensch nimmt die Phthalate vorwiegend mit der Nahrung und der
Atemluft auf. Auf diesem Weg gelangen sie in den Organismus, wo sie auf den Hormonhaushalt
wirken.
Wissenschaftler und internationale Expertenkommissionen bringen
die Phthalataufnahme der Bevölkerung mit dem seit Jahrzehnten beobachteten
Rückgang der Spermienzahlen und damit der männlichen Fruchtbarkeit
in Verbindung. Auch die Zunahme von Hodenkrebsfällen und Missbildungen der
männlichen Geschlechtsorgane wird im Zusammenhang mit der Phthalatbelastung
diskutiert.
Die Ergebnisse der Untersuchungen überschreiten in einigen
Fällen sogar den TDI-Wert, das ist die Dosis, die ein Mensch über das
ganze Leben hinweg täglich aufnehmen kann, ohne dass schädliche Wirkungen
auftreten, so die Erlanger Wissenschaftler. Die Forscher haben darauf hingewiesen,
dass bei der Neubewertung der Gesundheitsrisiken durch DEHP der auf Hormone besonders
empfindlich reagierende Organismus von Neugeborenen und Kindern geschützt
werden muss. Das Wissenschaftliche Komitee für Toxikologie, Ökotoxikologie
und Umwelt der Europäischen Kommission (CTSEE) hat daraufhin die Ergebnisse
der Erlanger Forscher weitgehend übernommen.
Quelle: pressetext.deutschland vom 16.03.2004
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