Bei Büro- und Schreibtätigkeiten ist nicht nur auf die Stellung des Gesäßes zu achten, sondern auch auf die der Augen. Besser gesagt, auf den Blickwinkel, der für die Tätigkeit erforderlich ist. Denn die meisten Menschen sind so organisiert, dass die Stellung von Kopf und Schultern durch die Augen gesteuert wird: Richtet sich z. B. der Blick nach unten, so neigt sich der Kopf, der Brustkorb sinkt ab und die Schultern schieben sich nach vorn. Diese Haltung kann auf Dauer zu Muskelverspannungen im Nacken und zu Beklemmungen im Brustbereich führen. Und diese Sitzhaltung sehr verbreitet, man findet sie in jeder Schulklasse und in jedem Büro.
Eine technische Lösung, um derartigen Problemen vorzubeugen, wäre z. B. ein Tisch mit einer geneigten Arbeitsplatte. Dadurch kommt die Schreib- bzw. Lesefläche dem Blick entgegen. Wenn man sich außerdem des öfteren seine Sitzhaltung vergegenwärtigt, die Position des Kopfes, die Neigung des Halses, die Anspannung der Schulter, können bewußt Ausgleichstellungen eingenommen werden, bevor die Nackenmuskulatur beginnt, sich zu einem schmerzenden Paket zu verhärten.
5.1. Kleine Augen-Kopf-Übung
Darüber hinaus können auch Augenübungen dazu beitragen, um in diesen Bereichen mehr Freiheit zu gewinnen. Denn normalerweise werden Kopf, Hals und Schultern ziemlich "einsinnig" bewegt, d. h. immer in gleiche Richtung, dem Blick folgend. Durch einfache Übungen läßt sich der starre Einklang dieses Bewegungsmusters auflockern, z. B. in dem man den Kopf in die entgegengesetzte Richtung bewegt als die Augen. Die Bewegung wird noch weiter differenziert, wenn anschließend auch noch die Schultern mit einbezogen werden, z. B. indem man sie einmal den Augen und ein andermal dem Kopf folgen läßt. Detaillierte Beschreibungen solcher Übungen finden Sie in der im Anhang angegebenen Literatur.
Durch die Differenzierung der Bewegung von Augen, Kopf und Schultern werden dem Nervensystem Alternativen vermittelt, die es ermöglichen, die Zwanghaftigkeit der eingefleischten Bewegungszusammenhänge aufzulösen. Augenübungen sind normalerweise äußerst wirkungsvoll, da die Menschen unseres Kulturkreises ihre Haltung einseitig über den Blick organisieren. Eine größere Unabhängigkeit der Bewegungen zwischen Augen, Kopf und Schultern wirkt sich deshalb auf den Tonus der gesamten Muskulatur aus. Beim "Bewegungslernen" nach Feldenkrais kommt es nicht auf die Kraft und die Schnelligkeit an, sondern auf die Qualität und das Feingefühl der Bewegung. Je mehr man sich dabei anstrengt und ungezielte Kraft aufwendet, desto geringer wird die Sensibilität und desto weniger wird das Nervensystem dabei lernen. Der Erfolg dieser Übungen läßt sich noch deutlich steigern, wenn die Bewegungen zuvor in Gedanken durchgespielt werden. |