Gefahren durch Schimmelpilze in Wohnräumen

Gesundheitliche Belastungen durch Schimmelpilze

Schimmelpilze sind ein natürlicher Teil unserer Umwelt und daher auch in Innenräumen vorhanden. Ein Schimmelpilzwachstum im Innenraum sollte jedoch vermieden werden.

Die häufigsten bei Schimmelpilzbelastungen im Innenraum beschriebenen Symptome sind unspezifisch, so z.B. Bindehaut-, Hals- und Nasenreizungen sowie Husten, Kopfweh oder Müdigkeit. Einige dieser Symptome (Bindehaut- oder Nasenreizungen) können sowohl im Zusammenhang mit leichten allergischen als auch mit reizenden Wirkungen stehen. Die anderen werden vor allem mit reizenden Wirkungen in Verbindung gebracht.
Epidemiologische Studien geben Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schimmelpilz-expositionen und Atemwegsbeschwerden.
Wissenschaftlich abgesicherte Aussagen über eine Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen der Schimmelpilzexposition in Innenräumen und gesundheitlichen Beschwerden der Bewohner sind jedoch nicht möglich. Daher kann aus gemessenen Schimmelpilzkonzentrationen nicht unmittelbar auf gesundheitliche Wirkungen geschlossen werden.

Allergische Reaktionen

Schimmelpilze sind in der Lage, allergische Reaktionen auszulösen. Eine der möglichen gesundheitlichen Reaktionen des Körpers auf eine erhöhte Schimmelpilzkonzentration im Innenraum ist das Auftreten von Allergien, die durch Einatmen von Sporen ausgelöst werden. Es wird angenommen, dass grundsätzlich alle Schimmelpilze in der Lage sind, bei empfänglichen Personen allergische Reaktionen auszulösen. Oft wird aber eine Schimmel-pilzallergie nicht erkannt, da es erst für einige wenige Schimmelpilze Extrakte für die Allergietestung gibt.
Zu den allergischen Symptomen, die durch Schimmelpilze ausgelöst werden, zählen z.B. Rhinitis (Heuschnupfen-ähnliche Symptome), Asthma und allergische Alveolitis. Diese können sich unmittelbar, innerhalb von Minuten (Allergie vom Typ I) nach Sporenkontakt oder erst nach 4 bis 8 Stunden (Allergie vom Typ III) bzw. 24 – 48 Stunden (Allergie vom Typ IV) entwickeln. Rhinitis- und Asthma-Anfälle treten innerhalb weniger Minuten nach dem Kontakt mit Schimmelpilzen auf und gehören damit zum Reaktionstyp I.

Bei bereits sensibilisierten Personen können auch geringe Schimmelpilzkonzentrationen, wie sie in niedrig-belasteten Innenräumen vorkommen können, ausreichend sein, um allergische Reaktionen (z.B. Asthmaanfälle) auszulösen.
Die sehr viel seltener und fast ausschließlich am Arbeitsplatz auftretende exogenallergische Alveolitis (EAA= Hypersensitivitätspneumonie) wird im allgemeinen durch wiederholte Exposition gegenüber sehr hohen Konzentrationen von Sporen (106 bis 1010 Sporen/m3) ausgelöst, wie sie im Innenraum nicht zu erwarten sind. Bei dauerhafter Exposition kann die EAA in eine Lungenfibrose münden. Die EAA kann zur Entwicklung von spezifischen Berufserkrankungen, wie z.B. der Farmerlunge führen. Hier spielen Sporen aus verschimmeltem landwirtschaftlichen Material wie Heu, Stroh, Getreide und Gemüse die wesentliche Rolle.

Reizende und toxische Wirkungen von Schimmelpilzen wurden bisher – fast ausschließlich – an belasteten Arbeitsplätzen mit hohen Schimmelpilzkonzentrationen nachgewiesen. Die Bedeutung dieser Wirkungen bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen ist unklar. Gesundheitliche Probleme durch reizende Wirkungen von Schimmelpilzen treten vor allem an Arbeitsplätzen auf, an denen hohe Konzentrationen von Schimmelpilzen vorkommen.

Organic Dust Toxic Syndrom

Das Organic Dust Toxic Syndrom (ODTS) wird in ursächlichen Zusammenhang mit dem Einatmen von sehr hohen Konzentrationen an Schimmelpilzen (109 Sporen/m3) oder Bakterien (1 – 2 µg/m3 Endotoxin) gebracht, wie sie an produktionstechnisch belasteten Arbeitsplätzen, nicht jedoch im Innenraum vorkommen können.
Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Fieber, grippeartige Symptome und Erschöpfungszustände sowie teilweise auch Haut- und Schleimhautreizungen. Die Reaktion erfolgt innerhalb weniger Stunden nach der Exposition. Die unter den Begriffen Drescher-, Getreide- bzw. Mühlenfieber beschriebenen Krankheitsbilder gehören zum ODTS.

Mykotoxine

Außerhalb des Arbeitsplatzbereiches, gibt es nur wenige Einzelfallbeschreibungen von akuten toxisch-reizenden Erkrankungen. Ungeklärt ist allerdings, wie sich niedrige Konzentrationen von Schimmelpilzen und deren Stoffwechselprodukten bei lang anhaltender Exposition auf die Gesundheit auswirken können.
Es wird vermutet, dass von Schimmelpilzen abgegebene giftige Stoffe, sog. Mykotoxine, sowie 1,3-ß-D-Glucan und möglicherweise MVOC und andere bisher unbekannte Stoffwechselprodukte oder Bestandteile von Schimmelpilzen beteiligt sind. Prinzipiell sind alle Schimmelpilze (und Bakterien) in der Lage, solche Symptome auszulösen. Verschiedene Schimmelpilzarten sind in der Lage Mykotoxine zu produzieren.

Anders als für den Bereich der Lebensmittel ist das Datenmaterial über toxische Wirkungen von Mykotoxinen, was die Aufnahme über die Atemwege oder die Haut anbelangt, zur Zeit noch sehr begrenzt. Die derzeit vorliegenden Ergebnisse aus Tierversuchen zeigen aber, dass auch Mykotoxine, die über die Luft verbreitet und eingeatmet werden, zu Erkrankungen führen können. Die im Innenraum auftretenden Konzentrationen an Mykotoxinen sind im Allgemeinen gering und die Wirkung von derart niedrigen Konzentrationen auf die Gesundheit bei langfristiger Exposition derzeit nicht bekannt. Aus Vorsorgegründen ist aber das verstärkte Auftreten von Mykotoxin-produzierenden Schimmelpilzarten im Innenraum kritisch zu bewerten.
1,3-ß-D-Glucan ist ein Toxin, das Bestandteil der Zellwand von Pilzen ist und aus Pilzhyphen sowie Sporen extrahiert werden kann. Es hat, wie die Endotoxine aus Gramnegativen Bakterien, eine entzündungsfördernde Wirkung und wurde bei Untersuchungen in Bürogebäuden mit mangelhafter Innenraumluftqualität mit dem Auftreten von Schleimhautreizung und Müdigkeit in Zusammenhang gebracht.

MVOC

Bei den von Schimmelpilzen produzierten, den charakteristischen Schimmelgeruch verursachenden, flüchtigen organischen Verbindungen (MVOC, englisch = Microbial Volatile Organic Compounds), handelt es
sich um ein Gemisch aus verschiedenen Stoffen (z.B. Alkohole, Terpene, Ketone, Ester, Aldehyde). Einige Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen MVOC-Exposition und gesundheitlichen Beschwerden wie Schleimhautreizungen und Kopfschmerzen hin.
Toxische Wirkungen der MVOC sind nach heutigem Kenntnisstand im Innenraum nicht relevant, da solche Wirkungen, wenn überhaupt, erst bei Konzentrationen auftreten, wie sie im Innenraum nicht erreicht werden.
Der Bedeutung von möglichen Geruchsbelästigungen durch MVOC ist jedoch Beachtung zu schenken, da die Geruchsschwellen einiger MVOC im unteren µg/m3-Bereich liegen.

 

 

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