Gesucht: D. pteronyssinus, die Hausstaubmilbe

 

Zu Millionen sollen sie angeblich in den Matratzen hausen. Und es wird auch behauptet, dass die Hausstaubmilben in jeder Matratze zu finden sind. Die Vorstellung, sich Tausenden von unheimlich aussehenden Spinnentieren auszusetzen, wenn man sich nachts ins Bett legt, läßt viele Menschen erschauern.
Allein dadurch ist das Bedürfnis nach Bekämpfung dieser Tiere stark angestiegen, genauso wie immer mehr nach „milbensicheren“ Produkten verlangt wird. So fragen viele Kunden beim Matratzenkauf danach, wie groß das Risiko einer Hausstaub-Allergie ist und wie man sich vor den Milben schützen kann.

Da wir dieser Tage zufällig zu einem guten Stereomikroskop gekommen sind, wollte ich es nun selbst wissen und mir diese Tiere einmal persönlich anschauen, die da ungefragt in meinem Bett leben. Zuerst habe ich ein breites Klebeband genommen und damit den Staub von meiner gut benutzten Matratze abgenommen und erwartungsvoll unter das Mikroskop gelegt. Leider hatte sich aber keines der Tiere von mir erwischen lassen. Daraufhin habe ich die Matratze mit einem frischen Staubbeutel gründlich abgesaugt und dann den Beutel aufgeschnitten und untersucht. Hier gab es zwar viel zu sehen, aber wiederum keine Milben zu entdecken.

Und da ich ein beharrlicher Mensch bin, habe ich meine Kollegen und Freunde gebeten, ebenfalls ihre Matratzen abzusaugen und mir dann ihre Staubbeutel zu übergeben. In der Tiefe eines Mikroskopblickes erscheint alles erschreckend nah und groß. Es sieht auch nicht immer appetitlich aus, was einem da so alles vor Augen kommt, vor allem weil man nicht weiß, woher die Teilchen alle kommen. Aber unter den tausenden Partikeln habe ich zu meinem Erstaunen nicht eine einzige Milbe gefundenI

Nach statistischen Untersuchungen des Milbenforschers Dr. J. Th. Franz sollen etwa 70 % der Haushalte von Milben betroffen sein. Sollte ich mit meinen Kollegen zu den glücklichen 30 % gehören, bei denen sich keine Milben eingenistet haben? Das wäre doch überraschend und kaum zu glauben. Also werde ich weiter nach den Milben fahnden. Wenigsten einmal möchte ich die Schreckenstiere von Angesicht zu Angesicht sehen, die es schaffen einen großen Teil der Bevölkerung in Angst zu versetzen und der Branche der Antimilbenmittel-Hersteller zu guten Absätzen zu verhelfen.

Nach Angaben der Uni Kiel machen die Hausstauballergien nur 8 % aller allergischen Erkrankungen aus. Nimmt man an, dass ein Drittel der Menschen in Deutschland allergische Erkrankungen haben, wären nur 2,6 % der Menschen auf Hausstaub allergisch.

Sollte es vielleicht so sein, dass die Berichte von den Hausstaubmilben hochgespielt worden sind, weil man die Menschen so erfolgreich mit den Bildern der Milben erschrecken kann? Und sollte die Furcht vor diesen lichtscheuen und herzlosen Tieren etwa auf maßlos übertriebenen Behauptungen beruhen?

Sie können übrigens auch ohne Mikroskop feststellen, ob sich Milben in Ihrer Umgebung befinden. Mit einfachen Teststreifen und einer Testflüssigkeit, die Sie in der Apotheke beziehen können (z. B. Acarex-Test oder Milbiol-Test), läßt sich bestimmen, wie hoch der Antail von Guanin (Bestandteil des Milbenkots) im Hausstaub ist.

 

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