Vorbeugung gegen Schimmelpilzbefall

 

Wichtig ist, dass die Feuchtigkeit, die durch die Aktivitäten im Raum entsteht (z.B. Feuchtigkeitsabgabe des Menschen, Duschen, Kochen, Waschen), durch regelmäßiges Lüften nach außen abgeführt wird.

Luftfeuchtigkeit und Lüftung

Die Möglichkeit, durch Lüftung Feuchtigkeit aus dem Raum zu entfernen, beruht darauf, dass Luft abhängig von der Temperatur unterschiedliche Mengen Wasserdampf aufnehmen kann. Warme Luft enthält bei gleicher relativer Feuchte viel mehr Wasser als kalte Luft. Kalte Außenluft im Winter enthält wenig Wasser, auch wenn ihre relative Feuchte hoch ist.

Wassertransport beim Lüften

Kalte Außenluft, die beim Lüften in den Innenraum gelangt, nimmt beim Erwärmen Feuchtigkeit auf, die mit der erwärmten Luft wieder nach außen abgeführt wird. Bei kalter Außenluft kann im Innenraum, selbst bei Regenwetter, durch Lüftung eine Austrocknung erzielt werden. Je kälter die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie beim Erwärmen aufnehmen. Daher kann im Winter durch Lüften mit kalter Außenluft mehr Feuchtigkeit aus einem Raum entfernt werden als im Sommer. Luft ist also in der Lage mehr Wasser aufzunehmen, wenn sie erwärmt wird. Dies kann ausgenutzt werden, um Feuchtigkeit durch Luftaustausch aus einem Raum abzuführen.

Wird zum Beispiel wasserdampfgesättigte Außenluft mit einer Temperatur von 5 °C in einen Raum eingebracht und mit einer Temperatur von 20°C und einer relativen Feuchte von 60 % wieder hinaus gefördert, dann werden je kg Luft 8,7 – 5,5 =3,2 g Wasser nach außen transportiert. Hier erkennt man die Möglichkeit, die Feuchtigkeit in einem Raum durch Lüftung zu reduzieren.
Der zur Abfuhr von Feuchtigkeit erforderliche Luftaustausch lässt sich berechnen, wenn bekannt ist, wie viel Wasser anfällt. In einem Dreipersonenhaushalt werden durch die Wasserdampfabgabe der Personen (30 bis 100 g/h je Person) durch Duschen, Waschen, Wäschetrocknen, Kochen sowie durch Pflanzen, Aquarien und andere Feuchtequellen täglich etwa 10 ± 4 kg Wasser freigesetzt!
Aus hygienischer Sicht wird vielfach ein Luftwechsel von 0,5-1,0/h bei normaler Wohnraumnutzung für sinnvoll erachtet. Es gibt jedoch bis heute keine verbindliche Festlegung von Mindestluftwechselstandards. Bei hoher Raumbelegung, wie z.B. in Schulklassen, können höhere Luftwechselraten notwendig sein.

Warum durch Lüften eine Trocknung erreicht werden kann, und warum es an kalten Wänden zu Tauwasserbildung kommen kann.

Wird warme, mit Wasser gesättigte Luft abgekühlt, so muss die Luft Wasser als Tauwasser oder Nebel ausscheiden. Aus der Natur ist uns dieser Vorgang bekannt. In der Wohnung kann es entsprechend an kalten Wänden, an denen die warme Raumluft abgekühlt wird, zu Tauwasserbildung kommen oder können sehr hohe relative Feuchten erreicht werden, die ein Schimmelpilzwachstum ermöglichen.
Je schlechter die Wärmedämmung der Außenwände ist oder je mehr bauliche Fehler bei der Gebäudekonstruktion gemacht wurden (z.B. in Form von Wärmebrücken) und je schlechter Außenwände durch zirkulierende Raumluft erwärmt werden, zum Beispiel hinter Schränken oder hinter Wandverkleidungen, um so niedriger ist im Winter die Oberflächentemperatur dieser Außenwände. Damit nimmt die relative Feuchte an der Innenwandoberfläche und die Gefahr der Tauwasserbildung entsprechend zu.

Daher sollten an Außenwänden, vor allem bei ungenügender Wärmedämmung, keine dicht abschließenden Möbelstücke, Bilder oder schwere Gardinen aufgestellt bzw. aufgehängt werden. Als Richtschnur kann ein Mindestabstand von ca. 10 cm angesehen werden. Bei Kellerräumen ist die Wandtemperatur auch im Sommer häufig niedrig. Da aber die absolute Feuchte der Außenluft im Sommer oft hoch ist, wäre dann häufiges Lüften mit Außenluft zum „Abtrocknen“ falsch, weil immer mehr Feuchtigkeit in den Raum eingetragen wird und an den kalten Wänden kondensiert.
In Kellerräumen, die nur als Lager dienen und nicht für den längeren Aufenthalt von Personen bestimmt sind, wird Schimmelpilzbefall häufig in Kauf genommen. Abhilfe wäre nur möglich durch bessere Wärmedämmung, durch Beheizen oder durch Trocknen der Raumluft. Keller, in denen Schimmelpilzwachstum nicht verhindert wird, sollten aber keine direkte Verbindung zum übrigen Gebäude haben, etwa durch Treppen, Schächte oder nicht abgedichtete Öffnungen in der Kellerdecke.

Besonders in älteren Gebäuden haben Fenster oft eine schlechtere Wärmedämmung als die Wände. Das hat den Vorteil, dass Tauwasserbildung zuerst am Fenster auftritt und damit ein Hinweis gegeben wird, dass mehr geheizt oder mehr gelüftet werden muss. Bei dicht schließenden Fenstern mit besserer Wärmedämmung als bei den Wänden sind nicht mehr die Fenster, sondern die Außenwände (vor allem die Außenecken) die kältesten Stellen und damit die Stellen mit der höchsten relativen Feuchte. Dort wird eventuell auftretendes Kondenswasser meist nicht so schnell erkannt als bei „beschlagenen“ Fensterscheiben.
Bei dicht schließenden, gut wärmegedämmten Fenstern sollte daher vorsorglich vermehrt gelüftet werden. In Gebäuden mit dicht schließenden Fenstern muss vermehrt gelüftet werden, um Feuchtigkeit aus dem Raum abzuführen und damit möglichen Schimmelpilzproblemen vorzubeugen. Vermieter sollten ihre Mieter unbedingt über die Folgen der Abdichtungs- und Wärmedämm-Maßnahmen informieren.

nach oben