Beim Kauf einer Matratze kommt natürlich
die Frage auf, ob es bestimmte gesundheitliche Kriterien gibt, die bei der Auswahl
zu beachten sind. Denn es gibt heute kaum noch einen Menschen, der nicht in irgendeiner
Weise von Kreuzschmerzen betroffen ist.
Auch wenn man an eine Matratze zunächst
keine besonderen Ansprüche stellt, außer dass man sich wohl fühlen
und gut darauf schlafen will, ist es nicht leicht, eine Entscheidung bei der
Vielfalt des Angebots zu treffen. Manche Anbieter heben die Qualität ihrer
Materialien hervor, andere eine besondere Verarbeitungstechnik, wieder andere
spezielle Funktionen. Und alle preisen ihre Matratzen als gesund an. Um die Glaubwürdigkeit
zu erhöhen, versuchen die Verkäufer, ihre Aussagen medizinisch zu begründen.
Nun ist es aber so, dass in der klassischen
Medizin kaum ein Hinweis darüber zu finden ist, wie sich der menschliche
Körper eigentlich im Liegen organisiert bzw. wie sich die Wirbelsäule
im Liegen streckt und wie sich die Organe im Bindegewebe neu anordnen.
Ungeachtet dieser Tatsache behaupten die Matratzenverkäufer schlichtweg,
dass es allein darum ginge, die Wirbelsäule zu entlasten und dass entsprechende
Stützzonen vorhanden sein müssen. Hinzu kommen noch Begriffe wie "bandscheibengerecht" oder "orthopädisch
richtig", um der Behauptung medizinische Autorität zu geben.
Wenn man die Publikationen und Präsentationen der bekannten Matratzenhersteller
unter diesen Voraussetzungen durchsieht, kommt man zu der überraschenden
Schlussfolgerung, dass es zur Zeit nicht einen Anbieter gibt, der die
Dynamik des menschlichen Bewegungsapparates in seine Argumentation einbezieht.
Die Matratzenhersteller wissen offensichtlich weder etwas von der Integrationsfähigkeit
des Nervensystems noch etwas über den Zusammenhang von "tonischer" Muskelaktivität,
willkürlicher Muskelaktivität und Entspannung (siehe Anmerkung unten).
Wir können das ohne weiteres behaupten,
denn die Kenntnis von den dynamischen Funktionen des menschlichen "Bewegungsapparates" hätte
ein ganz anderes Auftreten zur Konsequenz. Die Beschäftigung mit der neuromuskulären
Organisation des Körpers führt zu der Einsicht, dass der Körper
grundsätzlich sehr beweglich ist und weitaus veränderungs- und anpassungsfreudiger,
als man gemeinhin annimmt. Und diese Einsicht führt zu einer ganz anderen
Liegekonzeption.
Die herkömmliche Art der Beratung bei Rückenproblemen
ist bekannt: Man geht auf die Menschen ein, indem man sie in ihrer Orientierung
auf ihr Leid bestätigt, während man andererseits den Glauben an die
Festgelegtheit und zunehmende Versteifung des Körpers bestärkt. Eingestimmt
auf diese Krankheitsperspektive, ergibt es sich mehr oder weniger von selbst,
wie empfohlen, eine besonders stützende, "orthopädisch richtige" Matratze
zu kaufen.
Das Konzept des Dynamischen Liegens dagegen lenkt
die Aufmerksamkeit des Menschen auf seine Lebendigkeit, seine Beweglichkeit und
auf seine Möglichkeiten zur Veränderung. Wir (als Matratzenanbieter)
wollen und können nicht so tun, als ob sich Gesundheit kaufen oder konsumieren
ließe. Gesundheit bzw. Gesundung ist nichts Äußerliches und
läßt sich am ehesten als ein Prozeß beschreiben, an dem der
Mensch innerlich und aktiv beteiligt ist. Das hat zur Konsequenz, dass bei
der Beratung das Bett an die zweite Stelle tritt und der Mensch an die erste.
Anmerkung:
Die " tonische" oder "Anti-Schwerkraft-Muskulatur" richtet
den Körper gegen das Schwerefeld der Erde aus, gesteuert durch das autonome
Nervensystem. Die "willkürlichen" und "bewußten" Muskelaktivitäten überlagern
oftmals diesen natürlichen Ausrichtungsprozeß. Und dies geschieht
wiederum normalerweise völlig unbewußt, weil sich viele Muskeltätigkeiten
durch die Gewöhnung dem Bewußtsein entziehen. So ist es kaum einem
Menschen bewußt, dass sich z. B. alle Gefühlsimpulse mit Mustern
von Muskelregungen verbinden.
Gesund
liegen - gesund schlafen Teil 2
Leben heißt Bewegung - Schlafen
auch
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