Wenn wir sagen, der Mensch steht an erster
Stelle, meinen wir damit, dass wir schwerlich ein "gesundes" Bett
verkaufen können, wenn wir nicht zugleich die Menschen ernst nehmen, die
mit dem Bettenkauf auch auf Abhilfe für ihre Rückenprobleme suchen.
Denn wir wissen, dass sich die Beschwerden nicht durch ein neues Bett beseitigen
lassen, da sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht durch das bisherige
Bett entstanden sind. Wenn man aber sein Bewegungsverhalten ändert, kann
eine richtig ausgewählte Matratze dabei helfen, die angeregten Umstrukturierungsprozesse
zu unterstützen. Wir wollen den Kunden aber nicht nur auf solche allgemeinen
Zusammenhänge hinweisen, sondern ihm, soweit als möglich, konkrete
Anregungen und praktische Hilfestellungen geben.
2.1 Stützung durch "Rückenprothesen"
Die verschiedenen Herangehensweisen an das Thema "Liegen
und Schlafen" sind Ausdruck einer unterschiedlichen Lebensauffassung. Das
wollen wir in der Gegenüberstellung verdeutlichen. Wie es scheint, begreifen
die meisten Matratzenanbieter den Menschen als ein Wesen, welches die Entwicklung
zum aufrechten menschlichen Gang nicht richtig verkraftet hat. Daher, so die
Meinung, muss die angeblich überlastete Wirbelsäule schonend behandelt
und entlastet werden. Man könnte meinen, die Matratzenverkäufer stehen
vor der Frage, die sich einem Verpackungstechniker stellt, der eine Figur mit
unregelmäßigen Formen sicher lagern soll: in der Seitenansicht das
nach hinten gewölbte Gesäß, in der Frontansicht die seitlich
vorspringenden Schultern und das geschwungene Becken. "Verpackungstechnisch" ist
das natürlich kein Problem: Im Bereich von Schulter und Becken müssen
Aussparungen ("z. B, Schulterabsenkung") geschaffen werden, während
die schlankere Taille der Figur einer Unterfütterung ("Lordosenstütze")
bedarf.
Die Philosophie der meisten Betten- und Matratzenhersteller
geht nicht nur von vergleichbaren Überlegungen aus, sie kommt auch zu denselben
Schlussfolgerungen, ohne den Unterschied zu berücksichtigen,
dass es sich hier um die Lagerung eines lebendigen, dynamischen und sehr
anpassungsfähigen Organismus handelt, dessen innere Natur durch Bewegung
bestimmt wird.
2.2 Entwicklung von Körpergefühl
Unser dynamischer Ansatz orientiert sich an der Feldenkrais-Methode
(siehe weiter unten) und beruht auf der Erfahrung, dass das "Alltagsphänomen
Rückenschmerzen" kein entwicklungsgeschichtlich bedingtes statisches
Problem ist, sondern ein kulturelles. Denn schon in der Kindheit beginnt ein
Prozess der Ausgrenzung von Bewegungsmöglichkeiten - dadurch,
dass aus der Vielfalt der möglichen Haltungs- und Bewegungsmuster nur
einige wenige ausgewählt und erlernt werden. Das führt dazu, dass dem
erwachsenen Menschen keine Alternativen zur Verfügung stehen, wenn Beschwerden
auftauchen. Die benötigt er aber, wenn die gewohnten und eingefahrenen Bewegungsabläufe
Probleme verursachen. Es bleibt ihm dann nichts anderes übrig, als zu verharren
oder in alter Manier fortzufahren und darunter zu leiden. Die Probleme werden
sich auf diese Weise weiter verstärken bis möglicherweise ernsthafte
Schäden auftreten.
Der dynamische Ansatz zielt dagegen darauf ab, dem Menschen
neue Zugänge im Umgang mit seinem Körper zu eröffnen. Es geht
darum, zu lernen, die alltäglichen und selbstverständlichen Bewegungsabläufe,
also das, was man schon kennt, auf eine andere Weise zu tun. Denn nur so lassen
sich überflüssige Anspannungen dauerhaft lösen und neue "Sackgassen" (also
Bewegungsengpässe) vermeiden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist
die feinfühlige und differenzierte Wahrnehmung des eigenen Körpers.
2.3 Was der Besucher bei uns erwarten kann
Wir möchten unsere Erfahrung weitergeben, die wir in
der Auseinandersetzung mit dem Thema "Liegen, körperliche Organisation
und Matratzen" in Theorie und Praxis gewonnen haben. So raten wir unseren
Kunden zuerst, sich beim Probeliegen auf den einzelnen Matratzen so viel Zeit
zu nehmen, dass sich die Streckmuskulatur des Rückens lockern kann.
Denn erst dann wird sich die Sensibilität für eine genauere Beurteilung
einstellen können. Wir möchten unseren Kunden weiterhin zeigen, wie
man sich beim Matratzen-Probeliegen, dem häufigen Aufstehen- und Niederlegen, bewegen
kann, ohne die Hals- und Lendenwirbelsäule unnötig zu strapazieren.
Außerdem wollen wir dabei helfen, Beschwerden zu analysieren, die sich
mit bestimmten Liegestellungen verbinden, um Alternativen zur gewohnten Problembehandlung
herauszufinden. Z. B. die verschiedenen Möglichkeiten, wie man in der Seitenlage
die untenliegende Schulter positionieren kann, ohne dass das Gewicht des
gesamten Oberkörpers darauf lastet. Bei tiefergehenden Problemen organisieren
wir eine kostenlose Beratung durch autorisierte Feldenkrais-Lehrer/innen. Darüber
hinaus vermitteln wir die Möglichkeit zur Teilnahme an einführenden
Gruppenübungen, ebenfalls unverbindlich und kostenlos.
Wer sich genügend Zeit und Ruhe zum Probeliegen nimmt,
und durch etwas Geduld und Aufmerksamkeit eine Wahrnehmung für die Unterschiede
entwickelt, wird sich schnell seiner Körperschwerpunkte und auch seiner
Empfindlichkeiten bewußt werden. Er wird vielleicht entdecken, dass sich
die Rückenkonturen durch die aufmerksame Wahrnehmung und Sensibilisierung
des Körpers verändern, und dass der Bedarf an Abstützung
eine relative Angelegenheit ist. Der Rücken bleibt nicht immer derselbe,
was heute als angenehm empfunden wird, ist morgen vielleicht schmerzhaft und
umgekehrt. Der Mensch selbst ist es, der seinen Rücken wieder in Besitz
nehmen und sich verändern kann und nicht das Bett.
Gesund Liegen -
dynamisch Liegen Teil 3
Das Lernvermögen des menschlichen Nervensystems
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