3.1 Die Besonderheit des Liegens - der
Gegensatz zum Stehen.
Stehen, dass bedeutet die Ausrichtung des Körpers
gegen die Schwerkraft. Da Kopf, Hals, Brust, Becken und Beine übereinandergeordnet
sind, summieren sich die Gewichte von oben nach unten. Je tiefer ein Körperabschnitt
positioniert ist, desto mehr Last muss von ihm getragen werden. Im Liegen
dagegen hat jeder Körperteil nur sein eigenes Gewicht auszuhalten. Liegen,
das ist kein "Stehen in horizontaler Lage", sondern es bedeutet eine
völlig andere Organisation des Körpers als im Stehen. Z. B. nimmt der
Kopf eine andere Position zur Halswirbelsäule ein, die Schultern sinken
ab und ebenso die Wirbelsäule, wodurch ihre Schwünge flacher werden,
während das Becken sich dreht (siehe Abbildung). Es ergibt sich dadurch
auch eine andere Beziehung von Muskeln, Bändern, Bindegewebe, Knochen und
Organen. Selbst wenn der größte Teil der Muskulatur, die den Körper
im Stehen gegen die Schwerkraft aufrecht hält, nun entlastet ist, bedeutet
das nicht, dass sämtliche Muskeln entspannt sind.
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Ein stehender Mensch in die Horizontale gedreht (oben) im Vergleich
zur Ausrichtung des Körpers eines liegenden (unten). Man sieht, dass sich
der Körper anders ausrichtet und sich an die Auflagefläche anschmiegt.

Angewöhnte Muster von Muskelanspannungen, die sich mit
innerlichen Einstellungen verbinden, bestimmen weiterhin den Körper. Diese
sehr persönlichen, dem Menschen fast zur zweiten Natur gewordenen Anspannungen
lösen sich im Schlaf nur nach und nach. Und das geschieht durch Bewegung.
Es gibt aber auch noch andere Bewegungsimpulse, die im Schlaf auftreten, z. B.
Reaktionen auf Träume, auf starke Anspannungen und Gefühlseindrücke
der vorangegangenen Tage.
Liegen und Schlafen sind also nicht nur Formen des Loslassens, sondern auch Formen
des Ausgleichs, verbunden mit biologisch-organischen Prozessen: Der Körper
streckt sich, er sammelt sich und restrukturiert sich. Diese Prozesse anzuregen
und zu unterstützen ist das Ziel des "Dynamischen Liegens". Dazu
gehört sowohl eine bestimmte Art, mit dem Körper umzugehen, als auch
eine bestimmte Konzeption von Bett und Matratze.
3.2 Die organische Funktion des "Bewegungsapparates"
Die heutzutage verbreiteten, alltäglichen Rückenschmerzen,
von denen viele Erwachsene betroffen sind, weisen eigentlich keine besonderen
Merkmale auf, außer, dass sie nicht notwendig wären. Sie
kommen infolge von Überlastungen an organischen Schwachpunkten zutage. Die
Ursachen liegen, wie schon oben beschrieben, in der kulturell bedingten Einseitigkeit
der Bewegungsabläufe und in der Einschränkung der Bewegungsvielfalt
unter dem Einfluss von Stress und psychischer Anspannung. Die für
jeden Menschen typische Körperhaltung ist Resultat der Herausbildung und
Eingewöhnung von individuellen Bewegungs- und Gefühlsmustern. Die so
gewachsene Verkörperung persönlichen Verhaltens ist aber kein unausweichliches
Schicksal, auch wenn diese Muster so vertraut sind, dass sie als natürlicher
Teil der eigenen Person erscheinen.
Unser Optimismus hinsichtlich der Veränderungsmöglichkeiten
des menschlichen Körpers liegt in seiner biologisch-organischen Struktur
begründet und dem schier unbegrenzten Integrationsvermögen des Nervensystems.
Denn die Ursache für die Verfestigung der Körperstrukturen liegt nicht
an der Starrheit des Knochenbaus, sondern in der Eingefahrenheit und Beschränktheit
des Zusammenspiels von Muskulatur und Nervensystem. Und diese Verbindung ist
grundsätzlich offen und beeinflussbar!
Das menschliche Nervensystem besitzt die einzigartige Fähigkeit, sich durch
individuelle Erfahrungen immer wieder neu zu strukturieren und neue Nervenverbindungen
herzustellen. Das ist auch der Grund für die Leichtigkeit, mit der die Menschen
(unabhängig vom Alter) lernen können.
So ist es zwar allgemein bekannt, dass die körperliche
Haltung vom Nervensystem strukturiert wird. Aber es ist kaum bekannt, dass sich
das Nervensystem und damit die Anatomie der Haltung durch alternative
Bewegungserfahrungen neu organisieren läßt. Das ist die bedeutsame
Entdeckung von Moshe Feldenkrais. "Bewußtheit durch Bewegung", so
nennt Feldenkrais seine Methode, ist organisches Lernen, bei dem man die
grundlegende Variabilität der körperlichen Struktur erfahren kann.
Das Lernen nach dieser Methode erfolgt durch leichte, spielerische Bewegungen,
ohne Zielgerichtetheit und Leistungszwang. Dabei werden einfachste Bewegungsabläufe,
die sich sonst durch ihre Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit
der Wahrnehmung entziehen, neu entdeckt, in dem man dem "neugierigen",
immer lernbereiten Nervensystem funktionale Alternativen vermittelt. Dieses Lernen
vollzieht sich so unmittelbar und natürlich wie das probierende Lernen eines
Kleinkindes, nur dass man sich dabei bewußt ist, was man tut und
dadurch eine ungeahnte Fülle von Veränderungen erfährt.
Eine gut ausgewogene Wirbelsäule eines stehenden Menschen
in die Horizontale gedreht (oben). Bei einem liegenden Menschen wird der Körper
gestreckt, so dass die Kurve der Wirbelsäule sich entsprechend streckt
und flacher wird.
Eine Lagerung des Körpers wie in der unteren Abbildung (die
von einem der führenden Matratzenhersteller als ideal angepriesen wird)
läßt den Körper an seinen Schwerpunkten tief einsinken, so dass sich
die Wirbelsäule noch mehr krümmt anstatt sich zu strecken. Das Gewicht
des Gesäßes zieht das Becken nach unten, so dass ein entsprechender
Gegendruck im Kreuz entsteht, die eine Streckung der Wirbelsäule unmöglich
macht.
Gesund Liegen - dynamisch
Liegen Teil 4
Den Körper strukturieren - oder sich in der Matratze
verlieren
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