Gesund Liegen - gesund Schlafen
Ein bewegungstherapeutisch orientiertes Beratungskonzept / Teil 3

bios affair - Das Bettenhaus in Frankfurt
 

3. Das Lernvermögen des menschlichen Nervensystems


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1. Gesundheit ist ein Lebensvorgang - kein Konsumartikel
2. Leben heißt Bewegung - Schlafen auch
3. Das Lernvermögen des menschlichen Nervensystems
4. Den Körper restrukturieren - oder sich in der Matratze verlieren
5. Die Theorie von der "bandscheibengerechten" Matratze
6. Die Schwachpunkte der Wirbelsäule

3.1  Die Besonderheit des Liegens - der Gegensatz zum Stehen.

Stehen, dass bedeutet die Ausrichtung des Körpers gegen die Schwerkraft. Da Kopf, Hals, Brust, Becken und Beine übereinandergeordnet sind, summieren sich die Gewichte von oben nach unten. Je tiefer ein Körperabschnitt positioniert ist, desto mehr Last muss von ihm getragen werden. Im Liegen dagegen hat jeder Körperteil nur sein eigenes Gewicht auszuhalten. Liegen, das ist kein "Stehen in horizontaler Lage", sondern es bedeutet eine völlig andere Organisation des Körpers als im Stehen. Z. B. nimmt der Kopf eine andere Position zur Halswirbelsäule ein, die Schultern sinken ab und ebenso die Wirbelsäule, wodurch ihre Schwünge flacher werden, während das Becken sich dreht (siehe Abbildung). Es ergibt sich dadurch auch eine andere Beziehung von Muskeln, Bändern, Bindegewebe, Knochen und Organen. Selbst wenn der größte Teil der Muskulatur, die den Körper im Stehen gegen die Schwerkraft aufrecht hält, nun entlastet ist, bedeutet das nicht, dass sämtliche Muskeln entspannt sind.

Stehender Mensch in der Horizontalen

Ein stehender Mensch in die Horizontale gedreht (oben) im Vergleich zur Ausrichtung des Körpers eines liegenden (unten). Man sieht, dass sich der Körper anders ausrichtet und sich an die Auflagefläche anschmiegt.

Liegender Mensch

Angewöhnte Muster von Muskelanspannungen, die sich mit innerlichen Einstellungen verbinden, bestimmen weiterhin den Körper. Diese sehr persönlichen, dem Menschen fast zur zweiten Natur gewordenen Anspannungen lösen sich im Schlaf nur nach und nach. Und das geschieht durch Bewegung. Es gibt aber auch noch andere Bewegungsimpulse, die im Schlaf auftreten, z. B. Reaktionen auf Träume, auf starke Anspannungen und Gefühlseindrücke der vorangegangenen Tage.
Liegen und Schlafen sind also nicht nur Formen des Loslassens, sondern auch Formen des Ausgleichs, verbunden mit biologisch-organischen Prozessen: Der Körper streckt sich, er sammelt sich und restrukturiert sich. Diese Prozesse anzuregen und zu unterstützen ist das Ziel des "Dynamischen Liegens". Dazu gehört sowohl eine bestimmte Art, mit dem Körper umzugehen, als auch eine bestimmte Konzeption von Bett und Matratze.

3.2  Die organische Funktion des "Bewegungsapparates"

Die heutzutage verbreiteten, alltäglichen Rückenschmerzen, von denen viele Erwachsene betroffen sind, weisen eigentlich keine besonderen Merkmale auf, außer, dass sie nicht notwendig wären. Sie kommen infolge von Überlastungen an organischen Schwachpunkten zutage. Die Ursachen liegen, wie schon oben beschrieben, in der kulturell bedingten Einseitigkeit der Bewegungsabläufe und in der Einschränkung der Bewegungsvielfalt unter dem Einfluss von Stress und psychischer Anspannung. Die für jeden Menschen typische Körperhaltung ist Resultat der Herausbildung und Eingewöhnung von individuellen Bewegungs- und Gefühlsmustern. Die so gewachsene Verkörperung persönlichen Verhaltens ist aber kein unausweichliches Schicksal, auch wenn diese Muster so vertraut sind, dass sie als natürlicher Teil der eigenen Person erscheinen.

Unser Optimismus hinsichtlich der Veränderungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers liegt in seiner biologisch-organischen Struktur begründet und dem schier unbegrenzten Integrationsvermögen des Nervensystems. Denn die Ursache für die Verfestigung der Körperstrukturen liegt nicht an der Starrheit des Knochenbaus, sondern in der Eingefahrenheit und Beschränktheit des Zusammenspiels von Muskulatur und Nervensystem. Und diese Verbindung ist grundsätzlich offen und beeinflussbar!
Das menschliche Nervensystem besitzt die einzigartige Fähigkeit, sich durch individuelle Erfahrungen immer wieder neu zu strukturieren und neue Nervenverbindungen herzustellen. Das ist auch der Grund für die Leichtigkeit, mit der die Menschen (unabhängig vom Alter) lernen können.

So ist es zwar allgemein bekannt, dass die körperliche Haltung vom Nervensystem strukturiert wird. Aber es ist kaum bekannt, dass sich das Nervensystem und damit die Anatomie der Haltung durch alternative Bewegungserfahrungen neu organisieren läßt. Das ist die bedeutsame Entdeckung von Moshe Feldenkrais. "Bewußtheit durch Bewegung", so nennt Feldenkrais seine Methode, ist organisches Lernen, bei dem man die grundlegende Variabilität der körperlichen Struktur erfahren kann. Das Lernen nach dieser Methode erfolgt durch leichte, spielerische Bewegungen, ohne Zielgerichtetheit und Leistungszwang. Dabei werden einfachste Bewegungsabläufe, die sich sonst durch ihre Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit der Wahrnehmung entziehen, neu entdeckt, in dem man dem "neugierigen", immer lernbereiten Nervensystem funktionale Alternativen vermittelt. Dieses Lernen vollzieht sich so unmittelbar und natürlich wie das probierende Lernen eines Kleinkindes, nur dass man sich dabei bewußt ist, was man tut und dadurch eine ungeahnte Fülle von Veränderungen erfährt.

wohlkoordinierte Wirbelsäule
 

Eine gut ausgewogene Wirbelsäule eines stehenden Menschen in die Horizontale gedreht (oben). Bei einem liegenden Menschen wird der Körper gestreckt, so dass die Kurve der Wirbelsäule sich entsprechend streckt und flacher wird.

Ausrichtung der Wirbelsäule auf einer weichen Matratze

Eine Lagerung des Körpers wie in der unteren Abbildung (die von einem der führenden Matratzenhersteller als ideal angepriesen wird) läßt den Körper an seinen Schwerpunkten tief einsinken, so dass sich die Wirbelsäule noch mehr krümmt anstatt sich zu strecken. Das Gewicht des Gesäßes zieht das Becken nach unten, so dass ein entsprechender Gegendruck im Kreuz entsteht, die eine Streckung der Wirbelsäule unmöglich macht.

Gesund Liegen - dynamisch Liegen Teil 4

Den Körper strukturieren - oder sich in der Matratze verlieren

 

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