Warum treten die meisten Beschwerden an der
Hals- und an der Lendenwirbelsäule auf? Durch das bewegungsarme Alltagsleben "rostet" die
Beweglichkeit von Schultergürtel, Brustwirbelsäule und Becken ein,
d. h., es bilden sich Verwachsungen aus einem schwammigen, faserigen Gewebe.
Aufgrund dieser Versteifung erfolgen alle Drehbewegungen schließlich nur
noch über wenige Hals- und Lendenwirbel. Diese werden durch die starke Dauerbelastung
schließlich überbeansprucht, ebenso die dazwischen gelagerten Bandscheiben.
Das Konzept "Gesund liegen - dynamisch liegen" empfiehlt Übungen,
die das Nervensystem in die Lage versetzen, Belastungen und Drehungen wieder über
die ganze Länge des Rückens zu verteilen. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule
kann wiedergewonnen werden, so dass sich eine kontinuierlich fließende
Verbindung zwischen Kopf und Becken herstellt.
6.1 Kleine Schritte verbessern das Wohlbefinden
In vielen Fällen ist Hilfe durch ganz einfache Schritte
zu erreichen, z. B. bei Kreuzschmerzen, soweit diese von Verspannungen und Überlastungen
(bei einem ausgeprägten Hohlkreuz) herrühren. Es genügt dann manchmal,
die Seitenlage einzunehmen und die Beine anzuwinkeln, um den Körper durch
Bildung eines "Rundrückens" wieder in Harmonie zu bringen.
Es gibt nicht nur eine, sondern viele "richtige" Liegestellungen,
und oftmals lassen sich bestehende Verspannungen durch bewußte, einfühlsame
Positionswechsel ausgleichen. Darüber hinaus gibt es für fast jedes
Problem einfache, wirkungsvolle Bewegungsübungen, die wir Ihnen gerne bei
der persönlichen Beratung vermitteln.
Rundrücken: Die Rückenmuskeln
werden gestreckt und die großen Psoas-Muskeln entspannt. Sollte das nicht
reichen, empfehlen wir Ihnen, sich eine kleine Rolle von etwa 6 bis 10 cm Durchmesser
(z. B. ein zusammengerolltes Badetuch) zwischen die gebeugten Knie zu legen.
Schieben Sie dann das obere Bein auf der Rolle einige Zeit behutsam und aufmerksam
vor und zurück. Wenn Sie dann diese Übung auf der anderen Seite wiederholen,
werden Sie bald eine Entlastung im Kreuz verspüren.
Einfache Übung, um das Kreuz einmal
andersherum durchhängen zu lassen: Formen Sie eine Wolldecke zu einer etwa
8 cm starken Rolle. Legen Sie sich dann auf den Boden, stellen Sie die Beine
angewinkelt auf und schieben die Rolle quer unter das Becken. Wenn Sie nun mit
Hilfe der Hände die Beine fest an die Brust ziehen, werden Sie die heilsame
Erfahrung machen, dass die schmerzenden Lendenwirbel nach unten durchhängen
und dass sich auch die empfindlichen Nackenwirbel fest an den Boden schmiegen.
Verdreht! Auch eine ungewöhnliche und verdreht anmutende
Körperstellung kann zur Harmonisierung beitragen. Die "Lieblingsstellung" mancher
Menschen entspringt oftmals einem natürlichen Ausgleichsbedürfnis.
Versuchen Sie doch einmal Ihre Lieblingsstellung mit Absicht zu verstärken
bzw. zu übertreiben. Sie geben dadurch der Muskulatur die Möglichkeit
loszulassen.
6.2 Den Kopf nicht vergessen
Der andere kritische Punkt im Verlauf der Wirbelsäule
ist der Übergang vom Kopf zum Rumpf. Für die verbreiteten Verspannungen
im Bereich der Nackenmuskulatur werden neuerdings speziell geformte Stützkissen
aus Schaumstoff angepriesen. Fest geformte und stark abstützende Kissen
haben aber den Nachteil, dass sie die Beweglichkeit des Kopfes behindern.
Ja, der Kopf mag sich gar nicht mehr bewegen, weil alle anderen Positionen als
die von der Form vorgegebenen, unbequem sind. Um eine Drehung zu ermöglichen,
muss der Kopf außerdem etwas angehoben werden, und das belastet wiederum
die Halswirbelsäule. Wir meinen aber nicht, dass man auf die Stützung
des Nackens verzichten sollte. Optimale Anpassung bieten z. B. formbare Kissen
aus Buchweizen-, Dinkel- oder Hirseschalen. Diese Kissen ermöglichen eine
gute Stützung des Nackens, ohne die Beweglichkeit des Kopfes einzuschränken.
Die Form des Kissens ergibt sich dabei wie von selbst: Durch Bewegungen des Kopfes
schieben sich die Schalen in die gewünschte Lage. Im Gegensatz zu Schaum
und zu Federn ermöglichen die Schalen eine flexible Anpassung, ohne dabei
Druck auszuüben. Die Festigkeit der Kissen verhindert zugleich ein allmähliches
Absinken des Kopfes in eine unangenehme Position. |