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Gefährliche Baby-Matratze
Kinderschlaflabor weist auf gefährlichen CO2- und Wärmestau hin

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Bei der Expertentagung zur Vorbeugung des pötzlichen Kindstodes am 22.01.06 präsentierte Prof. Paditz als Vorsitzender der "Babyhilfe Deutschland e. V." neue Untersuchungsergebnisse aus dem Kinderschlaflabor der Universität Dresden. Es ging bei dieser Untersuchung um die Gefahr, dass ein Baby in der Bauchlage das Kohlendyoxid der eigenen Atemluft wieder einatmet. Denn das kann zu einer Hemmung der Atem- und Aufwachreflexe führen.

In der Studie wurden eine handelsübliche Schaumstoffmatratze, eine spezielle, aus den USA importierte, Wabenmatratze und eine Öko-Matratze getestet. Ergebnis: Die amerikanische Matratze in Bienenwabenstruktur führte 92 % des Kohlendyoxides ab, die handelsübliche Schaumstoffmatratze immerhin 46 % und die mit dem Siegel Öko-Test "sehr gut" nur 20 %.

Der Bericht des Vereins "Babyhilfe Deutschland e. V." ist leider etwas verwirrend abgefaßt, denn die Öko-Matratze wird als als "Baumwoll-Kokos-Babymatratze" bezeichnet und auch entsprechend abgebildet. In einer weiteren Textpassage geraten dann dem Autor die Begrifflichkeiten durcheinander, aus dem latexierten Kokokoskern wird plötzlich ein vulkanisierter Kautschukmilchkern mit Kokosfasern, wie es denn auch vom Spiegel (Ausgabe 4/06) aufgegriffen und verbreitet wird. Die getestete Matratze enthält aber keinen Kautschuk- bzw. Latexkern. Gemäß der Darstellung besteht der Kern der Matratze aus latexiertem Kokos, auch Gummikokos genannt, das sind geschichtete Kokosfasern, die mit Kautschukmilch besprüht und anschließend vulkansiert werden.

Dieser Fehler in der Veröffentlichung schränkt natürlich nicht das alarmierende Ergebnis der Studie ein. Ein Ergebnis, das alle Hersteller von Babymatratzen dazu veranlassen sollte, ihre Produkte sofort auf die Luftdurchgängikeit zu überprüfen.

Leider wurde in der Veröffentlichung der Aufbau der als "handelsüblich" bezeichneten Matratze nicht beschrieben (weder die Dicke noch die Härte noch die Feinheit der Schaumstruktur). Die Wabenmatratze aus den USA dagegen scheint nach den Abbildungen nur aus der Bienenwabenstruktur zu bestehen und keinerlei Überzug zu besitzen.

Bei der negativ getesteten Öko-Matratze hat der Gummikokos-Kern eine Stärke von 6 cm und ist damit nach unserer Erfahrung entschieden überdimensioniert. Wir führen auch eine Kindermatratze mit einer Gummikokoseinlage, allerdings hat diese nur eine Stärke von 1,5 cm. Wenn man diese 1,5 cm starke Kokosschicht fest zusammenpreßt, kann man immer noch hindurchschauen. Aber selbst wenn man einen 6 cm starken Gummikokos-Kern zusammenpreßt, läßt sich noch locker hindurchpusten, bei einem Schaumkern geht das nicht ohne weiteres.* Wir haben das extra noch einmal überprüft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass ein Baby nicht das Gewicht besitzt, den Gummikokos-Kern zusammenzudrücken, von daher scheint das Problem der getesteten Öko-Matratze nicht der Matratzenkern zu sein. Warum der Untersuchungsbericht hier auf eine falsche Fährte lenkt, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Wir vermuten das Problem vielmehr in der Umhüllung der Matratze.
Wenn eine Matratze mit einem Kern aus handelsüblichen Schaumstoffkern besser abschneidet als eine Matratze mit dem besonders luftdurchlässigen Gummikokos, können die gemessenen Unterschiede eigentlich nur an den Matratzenbezügen liegen (die umhüllende Baumwollschicht können wir nach unserer Erfahrung ausschließen). Handelsübliche Matratzen besitzen in der Regel die relativ luftdurchlässigen Jersey-Bezüge, während Natur- und Ökomatratzen-Anbieter ihre Matratzen in der Regel mit festen und eng gewebten Baumwollbezügen versehen. Bezüge aus Baumwolldrell sind deutlich weniger luftdurchlässig als Jersey-Bezüge. Hier wäre es für die Öko-Anbieter ein leichtes, ihre Webware durch weitmaschige Wirkware zu ersetzen.

Wenn die Eltern über die Matratze aber noch einen weiteren Schutzbezug, z. B. eine geschlossene Kunststoffhülle oder einen Allergikerbezug (Encasing) auflegen und außerdem ein fest gewebtes Laken, sind die Vorzüge einer luftigen Matratze wieder hinfällig, gleiches gilt für die Durchlässigkeit der Unterlage und der Decke. Aber das wäre ein weiteres Thema.

Die Ratschläge des Vereins Babyhilfe Deutschland für den Matratzenkauf erscheinen uns jedenfalls etwas wirklichkeitsfremd, wenn empfohlen wird, dass man das Kleingedruckte lesen und gezielte Nachfragen stellen soll. Bei den Matratzenanbietern läßt sich nichts Kleingedrucktes finden und wahrscheinlich auch kaum ein Hinweis über die Luftdurchlässigkeit. Der Spiegel zieht das Fazit, dass man sehr genau auf die Inhaltsstoffe achten müsse. Und der Leser kann daraus nur schließen, dass Kokosfasern für Baby-Matratzen nicht geeignet sind.

Entscheidend ist vielmehr die Aussage von Professor Paditz: "Babymatratze und Bettunterlage sollten ausreichend luftdurchlässig sein und nicht zum Wärme- und CO2-Stau beitragen".
Unser Ratschlag für die Eltern ist daher auch ganz einfach: Nehmen Sie die Babymatratze in die Hand, drücken Sie sie fest an den Mund und atmen Sie durch die Matratze hindurch. Wenn dies mühelos möglich ist, können Sie sicher sein, dass auch Ihr Baby auf dieser Matratze genügend frische Atemluft erhält.

Den Text der Veröffentlichung der Babyhilfe Deutschland e. V. finden Sie als Pdf-Datei auf der Internetseite www.babyschlaf.de/e57/e961/index_ger.html

Unser Matratzenlieferant, boyboks futon & matratzen hat als Reaktion auf die Veröffentlichung den Bezugsstoff der Kindermatratzen gewechselt, statt des bisher verwendeten Baumwollköpers wird jetzt ein locker gewirkter Baumwoll-Strickstoff verarbeitet.

* Bei den vielen handelsüblichen Schaumstoffen gibt es sehr unterschiedliche Strukturen, Feinheiten und Porigkeiten. Ein geschlossener feinporiger Weichschaum ist z. B. nur sehr eingeschränkt luftdurchlässig, auch wenn man ihn nicht zusammendrückt.

 
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