Melatonin, ein Hormon aus der Epihyse des Gehirns,
gilt als Allheilmittel. Es soll vor Brustkrebs schützen, gegen Alterungsprozesse
wirken und die Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern. Aber vor allem wird
Melatonin als Schlafmittel eingesetzt. Das Hormon ist beliebt
bei Vielfliegern, denn es soll die Beschwerden des Jet-Lags reduzieren.
Bei Schichtarbeiten wird Melatonin eingenommen, um den
natürlichen
Schlafrhythmus zwischen Tag und Nacht wieder herzustellen.
Eine neue Studie der Medizinerin Nina Buscemi von der University of Alberta in
Edmonton, Kanada, kommt nun zu dem überraschenden Ergebnis,
dass Melatonin bei Schlafproblemen, verursacht durch den Jet-Lag, und bei
Rhythmusstörungen
von Schichtarbeitern keine signifikanten Veränderungen bewirkt. Es konnten
keine Belege dafür erbracht werden, dass sich die Einschlafzeit verkürzt
oder dass sich die Schlafdauer deutlich verlängert.
Eine frühere Untersuchung von Andrew Herxheimer in London
kam zu etwas vorteilhafteren Ergebnissen bei der Verwendung von Melatonin. Herxheimer
weist jedoch darauf hin, dass Langzeituntersuchungen fehlen und dass der
Einfluss
von Kaffee und Alkohol bei den bisherigen Untersuchungen zu wenig berücksichtigt
worden ist.
In Deutschland ist Melatonin nicht als Medikament zugelassen,
läßt sich jedoch problemlos über das Internet beziehen. In den
USA wird das Hormon sogar als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben.
Quelle: FAZ vom 01.03.2006
|