Polychron* sind nach dem Anthropologen Edward Hall Gesellschaften, in denen das Leben nicht nach Zeitplänen organisiert wird, sondern mehr nach Ereignissen und Beziehungen. In diesen sogenannten polychronen Gesellschaften ist Pünktlichkeit nicht so wichtig, denn es gibt keine Lücken in den Ereignissen. Ebenso werden Störungen des Nachtschlafes toleriert, u. a. wohl deswegen, weil man ja tagsüber zwischendurch sein Nickerchen halten kann.
Als Beispiel möchte ich Brasilien anführen. Ich habe es oft erlebt habe, dass Spätheimkehrer lange nach Mitternacht laut an die Haustür klopften, selbst wenn ein Schlüssel zur Verfügung stand. Der schlafende Teil der Familie stand dann bereitwillig auf, nicht nur um die Tür zu öffnen, sondern auch um sich dann mit den Heimkehrern an den Tisch zu setzen und den Erzählungen der nächtlichen Ereignisse zu lauschen.
* Siehe auch unter Verschiedene Schlafkulturen
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