Notiz vom 04. Juni 2005
Zu Millionen sollen sie angeblich in den Matratzen hausen.
Und es wird auch behauptet, dass die Hausstaubmilben in jeder Matratze zu
finden sind. Die Vorstellung, sich Tausenden von unheimlich aussehenden
Spinnentieren auszusetzen, wenn man sich nachts ins Bett legt, läßt
viele Menschen erschauern.
Allein dadurch ist das Bedürfnis nach Bekämpfung
dieser Tiere stark angestiegen, genauso wie immer mehr
nach "milbensicheren" Produkten
verlangt wird. So fragen viele Kunden beim Matratzenkauf danach,
wie groß das
Risiko einer Hausstaub-Allergie ist und wie man sich vor den Milben schützen
kann.
Da wir dieser Tage zufällig zu einem guten Stereomikroskop
gekommen sind, wollte ich es nun selbst wissen und mir diese Tiere einmal persönlich
anschauen, die da ungefragt in meinem Bett leben. Zuerst habe ich ein
breites Klebeband genommen und damit den Staub von meiner gut benutzten Matratze
abgenommen und erwartungsvoll unter das Mikroskop gelegt. Leider hatte sich aber
keines der Tiere von mir erwischen lassen. Daraufhin habe ich die Matratze mit
einem frischen Staubbeutel gründlich abgesaugt und dann den Beutel aufgeschnitten
und untersucht. Hier gab es zwar viel zu sehen, aber wiederum keine Milben zu
entdecken.
Und da ich ein beharrlicher Mensch
bin, habe ich meine Kollegen und Freunde gebeten, ebenfalls ihre Matratzen abzusaugen
und mir dann ihre Staubbeutel zu übergeben. In der Tiefe eines Mikroskopblickes
erscheint alles erschreckend nah und groß. Es sieht auch nicht immer appetitlich
aus, was einem da so alles vor Augen kommt, vor allem weil man nicht weiß,
woher die Teilchen alle kommen. Aber unter den tausenden Partikeln habe ich zu
meinem Erstaunen nicht eine einzige Milbe gefundenI
Nach statistischen Untersuchungen des Milbenforschers Dr.
J. Th. Franz sollen etwa 70 % der Haushalte von Milben betroffen sein. Sollte
ich mit meinen Kollegen zu den glücklichen 30 % gehören, bei denen
sich keine Milben eingenistet haben? Das wäre doch überraschend und
kaum zu glauben. Also werde ich weiter nach den Milben fahnden.
Wenigsten einmal möchte
ich die Schreckenstiere von Angesicht zu Angesicht sehen, die es schaffen einen
großen
Teil der Bevölkerung
in Angst zu versetzen und der Branche der Antimilbenmittel-Hersteller zu guten
Absätzen zu verhelfen.
Nach Angaben der Uni Kiel
machen die Hausstauballergien nur 8 % aller allergischen Erkrankungen aus. Nimmt
man an, dass ein Drittel der Menschen in Deutschland allergische Erkrankungen
haben, wären nur 2,6 % der Menschen auf Hausstaub allergisch.
Sollte es vielleicht so sein, dass die Berichte von den
Hausstaubmilben hochgespielt worden sind, weil man die Menschen so erfolgreich
mit den Bildern der Milben erschrecken kann? Und sollte die Furcht vor diesen
lichtscheuen und herzlosen* Tieren etwa auf maßlos übertriebenen
Behauptungen beruhen?
Sie können übrigens auch ohne Mikroskop feststellen,
ob sich Milben in Ihrer Umgebung befinden. Mit einfachen Teststreifen und einer
Testflüssigkeit, die Sie in der Apotheke beziehen können (z. B. Acarex-Test
oder Milbiol-Test), läßt sich bestimmen,
wie hoch der Antail von Guanin (Bestandteil
des Milbenkots) im Hausstaub ist.
R. P.
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